Als Nachtrag vom letzten Posting nun noch die darin erwähnten Action Points zum Thema Marktforschung vom Präsidenten des VMÖ, Emanuel Maxl, der diesmal für die Grüne Wirtschaft kandidiert:
10 Action Points für die Werbung und Marktkommunikation – WKO - Fachgruppe Wien
von Mag. Emanuel Maxl
Wien, 15.2.2010
Meine Action Points kommen aus dem Bereich, den ich am besten kenne: Markt- und Meinungsforschung.
1. Kein Missbrauch von Volksbefragungen für parteipolitische Zwecke. Aktueller Anlassfall: Volksbefragung in Wien mit höchst suggestiven Fragen.
Siehe auch: http://www.otsblog.at/allgemein/volksbefragung/
2. Kein Missbrach von Marktforschung für Marketingzwecke.
Telefonische und Online-Marketingaktionen unter dem Deckmantel von Meinungsumfragen nehmen zu. Lösungsvorschlag: Eine Kommission - ähnlich dem Werberat -verurteilt ethisch/moralische Vorgehensweisen, die gegen die Standesregeln der Branche verstoßen. Diese Mafo- Kommission setzt sich aus Wissenschafts- und Wirtschafts-Vertretern zusammen.
http://www.ots-blog.at/online/marktforschung-missbraucht/
3. Sicherstellung der Qualität der Markt- und Meinungsforschungsdienstleistung
Verstöße gegen Standesregeln sollen mittels Selbstregulierung der Branche durch diese Mafo-Kommission geahndet werden.
4. Zertifizierung von Instituten und Panelanbietern fördern.
Eine Zertifizierung nach aktuellen ISONormen stellt eine Qualitätssicherungsmaßnahme dar (ISO 20252 „Markt- und Meinungsforschung“ und ISO 26362 „Access-Panel-Anbieter“).
http://www.ots-blog.at/allgemein/deutschsprachige-mafoverbande-setzen-gemeinsame-qualitatsstandards/
5. Transparente Vergaberichtlinien von Aufträgen der öffentlichen Hand auch bei geringen Auftragssummen. Einige Ausschreibungskriterien sind nach wie vor so gestaltet, dass klar von vornherein ein Anbieter bevorzugt wird.
6. Keine weitere Mehrbelastung der Institute durch zusätzliche Lohnnebenkosten bei Interviewern bzw. freiberuflichen Mitarbeitern. Differenzierte Betrachtung hinsichtlich Sozialversicherung von Interviewern beibehalten.
7. Verpflichtende Veröffentlichung von Qualitäts-Kennzahlen zu Meinungsforschungsstudien in Medien. Um die Güte einer Meinungsforschung – insbesondere vor Wahlen – beurteilen zu können, sollen die wichtigsten Informationen wie Stichprobengrösse, Art der Befragung, Befragungszeitpunkt und Schwankungsbreite verpflichtend gemeinsam mit den Ergebnissen veröffentlicht werden.
http://www.ots-blog.at/politik/ein-weiterer-wahlsieger-die-meinungsforschung/
8. Wenn Politik-Analysten in den Medien auftreten, sollte vorab verpflichtend veröffentlicht werden, für welche Parteien diese Person aktuell Beraterjobs durchführt . Aktueller Anlassfall: Peter Filzmaier.
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/oesterreich/2282674/orf-stellt-filzmaierglaubwuerdigkeitsprobe.story
9. Keine Umsatzsteuerbefreiung für Marketing- / Marktforschungs-Anbieter in kirchlichen Wirtschaftsunternehmen. Anlassfall: Dialogcenter der Diozese Graz-Seckau wirbt damit seine Leistung ohne USt. anzubieten (da ein Unternehmen der Diözese) und ist damit klar wettbewerbsverzerrend.
http://www.dialogcenter.at/index.php?/Leistungen/leistungen.html
10. Einrichtung einer dezidierten universitären Ausbildung für Markt- und Meinungsforschung.
Es gibt in Österreich seit dem Einstellen des Lehrgangs für Markt- und Meinungsforschung am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften der Universität Wien speziell für unsere Branche keine universitäre Ausbildung mehr. Gerade in diesen Zeiten des Strukturwandels u.a. durch neue elektronische Medien, bedeutet dies einen klaren Wettbewerbsnachteil für unser Land.
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Dienstag, Februar 23, 2010
Freitag, Februar 19, 2010
Grüne Ideen für die Werbebranche
Lange hab ich den Blog vernachlässigt, heute "missbrauche" ich ihn um einfach einen langen Text auch auf diesem Weg zugänglich zu machen: die Vorhaben der Grünen Wirtschaft für die Fachgruppen/den Fachverband Werbung und Marktkommunikation. Ich bitte um Nachsicht, dass ich nicht die Zeit habe, die Inhalte web 2.0-mäßig aufzubereiten, sondern einen in anderem Zusammenhang geschriebenen Text einfach via cut & paste hier rein stelle.
***
Grüne Ideen für eine effiziente Interessenvertretung
Werbung und Marktkommunikation:
Arbeitsvorhaben für die Periode 2010 bis 2015
Mit dem Jahr 2000 zog die Grüne Wirtschaft erstmals in die Fachgruppe Werbung Wien ein. Seitdem konnten zahlreiche Akzente gesetzt werden die den Mitgliedern, vor allem den Kleinunternehmen und Ein-Personen-Unternehmern konkreten Nutzen brachten.
Auch die anderen Fraktionen konnten von nun an diese große Gruppe nicht mehr ignorieren – mittlerweile etablierte Services - wie der Versicherungsservice der Fachgruppe Werbung Wien und die Ausweitung der Weiterbildungsangebote für Mitglieder - sind konkrete Ergebnisse dieser Arbeit
Seit fünf Jahren stellt die Grüne Wirtschaft mit Dr. Peter Drössler den Obmann im Bundesfachverband Werbung und Marktkommunikation. Er konnte - obwohl die Grüne Wirtschaft über keine Mehrheit im Ausschuss verfügt und die finanziellen Mittel des Bundesverband im Vergleich zur Ausstattung der Fachgruppen auf Landesebene eher bescheiden ist - wichtige Impulse geben:
- Die Neuorganisation des Werberates,
- konsequentes Lobbying für mehr Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Etats und
- der Einsatz für eine laufende Qualitätssteigerung in der Branche - durch kontinuierliche Zusammenarbeit mit
Ausbildungsinstitutionen ebenso wie durch einen offenen Blick über die Grenzen des Landes (Euroforum, Marktberichte über CEE-Staaten, federführende Rolle des Fachverbandes bei der Gründung der EFCCE um nur ein paar Punkte zu nennen)
waren wesentliche Schwerpunkte in der politischen Arbeit.
In der Periode 2010 bis 2015 möchte die Grüne Wirtschaft ihren erfolgreichen Weg in ihrer Arbeit für die Kommunikationsbranche fortsetzen und mit einem starken Team ihr Engagement noch weiter verstärken. Denn es gibt noch viel zu tun.
Das Angebot der Grünen Wirtschaft an die Mitglieder lautet:
Öffnung der Fachgruppe für mehr Kommunikation, mehr Dialog und gemeinsame Aktivitäten. Dazu braucht es ein anderes Kommunikationsklima, bessere Schnittstellen und andere Services.
Nachfolgend einige Schlüsselprojekte, die wir in der nächsten Periode umsetzen wollen. Und ein Versprechen: mit einer starken Grünen Wirtschaft werden die Mitglieder in Zukunft mehr Mitsprache, mehr Kontrolle über die Verwendung ihrer Mitgliedsbeiträge erhalten und sie werden mehr Nutzen aus ihrer Mitgliedschaft ziehen.
1 - Professionalisierung statt Selbstinszenierung
Gerade in der Werbebranche gehen die Angebote der Kammer an den Bedürfnissen einer Mehrzahl der Mitglieder vorbei. Der Großteil der nicht unbeträchtlichen Mittel wird für klassische Eigenwerbung verwendet. Die Mitglieder finanzierten dies mit ihren Beiträgen und haben keinerlei Nutzen davon.
Kostspielige Veranstaltungen wie Landespreise (in acht der neun Bundesländer), Fachgruppentage oder gesponserte Konferenzen (Medientage) richten sich nur an einen Bruchteil der Mitglieder, kosten viel und bringen wenig. Für Informations- und Weiterbildungsangebote bleiben im Vergleich dazu kaum Mittel übrig.
Diese Situation will die Grüne Wirtschaft verändern:
- Zumindest eine Verdoppelung der Mittel für Training und Weiterbildung
Ein breiteres, intensiver beworbenes und aktuelleres Angebot an Bildungsveranstaltungen für Mitglieder ist dringend notwendig. Der Bedarf ist gegeben, die Mittel müssen endlich bereit gestellt werden.
- Mentoring für NeueinsteigerInnen
Die Fachgruppen sollen als Vermittlungsinstanz zwischen erfahrenen Branchenmitgliedern und NeueinsteigerInnen fungieren. Ein Mentoring-Day als Kick-off gibt Starthilfe.
- Bewerbung der Qualität der Dienstleister aus der Branche
Statt für Eigenwerbung soll das Werbebudget der Fachgruppe für eine Bewerbung der Leistungen der Mitglieder verwendet werden. Dabei legen wir Wert darauf, dass wirklich die Inhalte und nicht die SpitzenfunktionärInnen beworben werden.
- Qualtitätsinitiative Marktforschung
Aktionen gegen missbräuchliche Verwendung von Marktforschung (Volksbefragung, Scheinumfragen), Einsatz eines Marktforschungsrates und Schaffung einer universitären Ausbildung für Marktforschung. (Siehe. ergänzende Actionpoints Marktforschung als Anlage)
2 - Bar Camp statt Kammerhierarchie
Statt Scheinaktivitäten, immer gleichen Sprüchen und einer jährlichen Show wollen wir echten, dauerhaften und nachhaltigen Dialog mit den Mitgliedern. Aktuelle Themen und Trends müssen breiter diskutiert werden, die Arbeit der Fachgruppe damit stärker an den Bedürfnissen der Mitglieder ausgerichtet werden.
Die verstaubten Ausschüsse benötigen lebendigen Input direkt von den Betroffenen. Während die anderen Fraktionen bei jeder Gelegenheit (nicht ohne Grund) auf die Verschwiegenheitspflicht über die Arbeit der Fachgruppenausschüsse pochen, wollen wir die Türen öffnen und die Mitglieder zur aktiven Teilhabe einladen.
Die Fachgruppe als Businessplattform
Kooperationen mit anderen Branchenorganisationslinien der Kammer (etwa in Form monatlicher Branchen-Jour fixes) findet bis dato nicht statt. Die WKO funktioniert als Setzkasten mit schier unüberwindlichen Grenzen zwischen den einzelnen Branchenorganisationen. Diese Grenzen wollen wir überwinden, das Netzwerkpotential der Kammer nutzen und in den Dienst der Mitglieder stellen.
Wir möchten unsere Mitglieder einladen, im Rahmen von Informationsveranstaltungen aktiv Mitglieder anderer Gewerbe (Sparte Handel, Sparte Gewerbe & Handwerk etc.) anzusprechen. Statt an der Kammerbürokratie muss sich die Arbeit an Marktstrukturen orientieren. So können gemeinsam Strategien für ein funktionierendes regionales Wirtschaftsnetz entwickelt werden.
Eine Mischung aus Börse, Messe, Bar Camp und Pecha Kucha bringt gewerblichen UnternehmerInnen gewinnende Ideen - und Fachgruppenmitgliedern neue KundInnen.
Initiativen, die im Rahmen dieser Veranstaltungen entstehen, werden weiter betreut. Eine Absage an Einzelveranstaltungen alten Stils mit zugekauften (oft schlechten) „Vortragsstars“ , statt dessen ein dialogbereites Miteinander zum beiderseitigen Nutzen.
Zeitgemäßige Online-Kommunikation
Es ist skurril genug, dass moderne Online-Kommunikation überhaupt noch als Forderung genannt werden muss. Die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation muss endlich im 21. Jahrhundert ankommen. Der völlig veraltete Internetauftritt (dies gilt für alle Fachgruppen und auch den Bundesverband) muss völlig neu - dialogorientiert – gestaltet werden. Die dafür notwendigen Mittel sind vorhanden und müssen nur bereitgestellt werden.
3 - Faire Marktbedingungen für kleine Unternehmen
Die Fachgruppe buhlt zurzeit vor allem um ihre großen Player. Klingende Marken, fette Etats, Werbepreise von Cannes bis zum Staatspreis: die Fachgruppen agieren, als bestünde die Werbebranche nur aus Glamour und großen Namen.
Die Realität ist aber anders. Die überwiegende Zahl der Mitglieder sind kleine und kleinste Unternehmen, vor allem Ein-Personen-Unternehmen sind sehr häufig vertreten.
Gerade sie kommen aber sehr schwer an attraktive Aufträge. Arbeitsgemeinschaften werden in Ausschreibungen diskriminiert - sofern diese überhaupt so transparent stattfinden, dass alle Unternehmen rechtzeitig davon erfahren.
Diese intransparenten Bedingungen wollen wir ändern. Kreativität und Leistung soll entscheiden und nicht die Unternehmensgröße. Denn die Wirtschaftswunder finden sich unten den kleinen Unternehmen.
Transparenz am Markt - speziell bei öffentlichen Vergaben
Die Vergabe von (öffentlichen) Etats muss transparenter werden. Öffentliche Mittel werden vielfach missbraucht, um politische Interessen zu bedienen. Das Ergebnis istnicht zu übersehen. Ein Blick auf die Bilanz von Venus, Staatspreis, Effie & Co lehrt: seit Jahren gab es keine wirklich herausragende Public Information-Kampagne mehr.
Zentrale Kommunikationsaufgaben des Staates hingegen werden vernachlässigt . Beispiele sind etwa der schlechte Informationsstand über Funktionsweise der EU bzw. der demokratischen Institutionen in Österreich, wachsende Ressentiments gegen „Fremde“ und vieles mehr).
Wer wie viel an Steuermitteln für „Information“ ausgibt, ist für niemanden nachvollziehbar. Erster Schritt muss daher eine zentrale Meldeinstanz sein, bei der jeder Euro, der für öffentliche Kommunikation verwendet wird, gemeldet wird.
Dies muss vor der Ausschreibung geschehen, so dass diese Instanz auch als Informationsdienst für interessierte Agenturen dienen kann.
Weiters sind die Ausschreibungsbedingungen zu professionalisieren.
Für unsere wichtigsten langjährigen Forderungen erwarten wir künftig auch die Unterstützung der anderen Fraktionen:
- Bessere und professionellere Briefings, die das Kommunikationsziel definieren (und nicht einfach Verlage festlegen, die Mittel aus Inseratenschaltungen erhalten sollen.)
- faire Zulassungsbedingungen zur Teilnahme an Ausschreibungen (keine Eintrittsschwellen durch restriktive Anrechnungsbedingungen für Referenzen)
- keine Behinderung von Arbeitsgemeinschaften (etwa durch solidarische Haftung aller AG-Mitglieder für das ganze Projekt)
- Fristenlauf mit ausreichender Zeit und entsprechender Würdigung des kreativen Prozesses für die Entwicklung von Kampagnenideen
Kostentransparenz für Anbieter (Agenturen) wie Kunden (Auftraggeber). Statt einem Zurück zu (kartellrechtlich bedenklichen und am Markt ohnehin nicht umsetzbaren) Honorarrichtlinien müssen Eckpunkte definiert werden, die eine Vergleichbarkeit von Angeboten ermöglichen - zum Nutzen von Anbietern und Auftraggebern. Hier muss rasch ist ein Prozess unter Beteiligung der Branche durchgeführt werden.
Gewistamonopol brechen
Bei der Außenwerbung ist in Österreich eine so hohe Markkonzentration gegeben, dass jeglicher Wettbewerb im Keim erstickt wird. Die Grüne Wirtschaft bekennt sich klar zur Vielfalt im Zugang zum öffentlichen Raum (Stichwort Dreieckständer, Kulturplakat, Stromkästen und co.). Die Fachgruppe Wien ist hier nach wie vor in der Umsetzung einer Resolution des Ausschusses säumig.
***
Grüne Ideen für eine effiziente Interessenvertretung
Werbung und Marktkommunikation:
Arbeitsvorhaben für die Periode 2010 bis 2015
Mit dem Jahr 2000 zog die Grüne Wirtschaft erstmals in die Fachgruppe Werbung Wien ein. Seitdem konnten zahlreiche Akzente gesetzt werden die den Mitgliedern, vor allem den Kleinunternehmen und Ein-Personen-Unternehmern konkreten Nutzen brachten.
Auch die anderen Fraktionen konnten von nun an diese große Gruppe nicht mehr ignorieren – mittlerweile etablierte Services - wie der Versicherungsservice der Fachgruppe Werbung Wien und die Ausweitung der Weiterbildungsangebote für Mitglieder - sind konkrete Ergebnisse dieser Arbeit
Seit fünf Jahren stellt die Grüne Wirtschaft mit Dr. Peter Drössler den Obmann im Bundesfachverband Werbung und Marktkommunikation. Er konnte - obwohl die Grüne Wirtschaft über keine Mehrheit im Ausschuss verfügt und die finanziellen Mittel des Bundesverband im Vergleich zur Ausstattung der Fachgruppen auf Landesebene eher bescheiden ist - wichtige Impulse geben:
- Die Neuorganisation des Werberates,
- konsequentes Lobbying für mehr Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Etats und
- der Einsatz für eine laufende Qualitätssteigerung in der Branche - durch kontinuierliche Zusammenarbeit mit
Ausbildungsinstitutionen ebenso wie durch einen offenen Blick über die Grenzen des Landes (Euroforum, Marktberichte über CEE-Staaten, federführende Rolle des Fachverbandes bei der Gründung der EFCCE um nur ein paar Punkte zu nennen)
waren wesentliche Schwerpunkte in der politischen Arbeit.
In der Periode 2010 bis 2015 möchte die Grüne Wirtschaft ihren erfolgreichen Weg in ihrer Arbeit für die Kommunikationsbranche fortsetzen und mit einem starken Team ihr Engagement noch weiter verstärken. Denn es gibt noch viel zu tun.
Das Angebot der Grünen Wirtschaft an die Mitglieder lautet:
Öffnung der Fachgruppe für mehr Kommunikation, mehr Dialog und gemeinsame Aktivitäten. Dazu braucht es ein anderes Kommunikationsklima, bessere Schnittstellen und andere Services.
Nachfolgend einige Schlüsselprojekte, die wir in der nächsten Periode umsetzen wollen. Und ein Versprechen: mit einer starken Grünen Wirtschaft werden die Mitglieder in Zukunft mehr Mitsprache, mehr Kontrolle über die Verwendung ihrer Mitgliedsbeiträge erhalten und sie werden mehr Nutzen aus ihrer Mitgliedschaft ziehen.
1 - Professionalisierung statt Selbstinszenierung
Gerade in der Werbebranche gehen die Angebote der Kammer an den Bedürfnissen einer Mehrzahl der Mitglieder vorbei. Der Großteil der nicht unbeträchtlichen Mittel wird für klassische Eigenwerbung verwendet. Die Mitglieder finanzierten dies mit ihren Beiträgen und haben keinerlei Nutzen davon.
Kostspielige Veranstaltungen wie Landespreise (in acht der neun Bundesländer), Fachgruppentage oder gesponserte Konferenzen (Medientage) richten sich nur an einen Bruchteil der Mitglieder, kosten viel und bringen wenig. Für Informations- und Weiterbildungsangebote bleiben im Vergleich dazu kaum Mittel übrig.
Diese Situation will die Grüne Wirtschaft verändern:
- Zumindest eine Verdoppelung der Mittel für Training und Weiterbildung
Ein breiteres, intensiver beworbenes und aktuelleres Angebot an Bildungsveranstaltungen für Mitglieder ist dringend notwendig. Der Bedarf ist gegeben, die Mittel müssen endlich bereit gestellt werden.
- Mentoring für NeueinsteigerInnen
Die Fachgruppen sollen als Vermittlungsinstanz zwischen erfahrenen Branchenmitgliedern und NeueinsteigerInnen fungieren. Ein Mentoring-Day als Kick-off gibt Starthilfe.
- Bewerbung der Qualität der Dienstleister aus der Branche
Statt für Eigenwerbung soll das Werbebudget der Fachgruppe für eine Bewerbung der Leistungen der Mitglieder verwendet werden. Dabei legen wir Wert darauf, dass wirklich die Inhalte und nicht die SpitzenfunktionärInnen beworben werden.
- Qualtitätsinitiative Marktforschung
Aktionen gegen missbräuchliche Verwendung von Marktforschung (Volksbefragung, Scheinumfragen), Einsatz eines Marktforschungsrates und Schaffung einer universitären Ausbildung für Marktforschung. (Siehe. ergänzende Actionpoints Marktforschung als Anlage)
2 - Bar Camp statt Kammerhierarchie
Statt Scheinaktivitäten, immer gleichen Sprüchen und einer jährlichen Show wollen wir echten, dauerhaften und nachhaltigen Dialog mit den Mitgliedern. Aktuelle Themen und Trends müssen breiter diskutiert werden, die Arbeit der Fachgruppe damit stärker an den Bedürfnissen der Mitglieder ausgerichtet werden.
Die verstaubten Ausschüsse benötigen lebendigen Input direkt von den Betroffenen. Während die anderen Fraktionen bei jeder Gelegenheit (nicht ohne Grund) auf die Verschwiegenheitspflicht über die Arbeit der Fachgruppenausschüsse pochen, wollen wir die Türen öffnen und die Mitglieder zur aktiven Teilhabe einladen.
Die Fachgruppe als Businessplattform
Kooperationen mit anderen Branchenorganisationslinien der Kammer (etwa in Form monatlicher Branchen-Jour fixes) findet bis dato nicht statt. Die WKO funktioniert als Setzkasten mit schier unüberwindlichen Grenzen zwischen den einzelnen Branchenorganisationen. Diese Grenzen wollen wir überwinden, das Netzwerkpotential der Kammer nutzen und in den Dienst der Mitglieder stellen.
Wir möchten unsere Mitglieder einladen, im Rahmen von Informationsveranstaltungen aktiv Mitglieder anderer Gewerbe (Sparte Handel, Sparte Gewerbe & Handwerk etc.) anzusprechen. Statt an der Kammerbürokratie muss sich die Arbeit an Marktstrukturen orientieren. So können gemeinsam Strategien für ein funktionierendes regionales Wirtschaftsnetz entwickelt werden.
Eine Mischung aus Börse, Messe, Bar Camp und Pecha Kucha bringt gewerblichen UnternehmerInnen gewinnende Ideen - und Fachgruppenmitgliedern neue KundInnen.
Initiativen, die im Rahmen dieser Veranstaltungen entstehen, werden weiter betreut. Eine Absage an Einzelveranstaltungen alten Stils mit zugekauften (oft schlechten) „Vortragsstars“ , statt dessen ein dialogbereites Miteinander zum beiderseitigen Nutzen.
Zeitgemäßige Online-Kommunikation
Es ist skurril genug, dass moderne Online-Kommunikation überhaupt noch als Forderung genannt werden muss. Die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation muss endlich im 21. Jahrhundert ankommen. Der völlig veraltete Internetauftritt (dies gilt für alle Fachgruppen und auch den Bundesverband) muss völlig neu - dialogorientiert – gestaltet werden. Die dafür notwendigen Mittel sind vorhanden und müssen nur bereitgestellt werden.
3 - Faire Marktbedingungen für kleine Unternehmen
Die Fachgruppe buhlt zurzeit vor allem um ihre großen Player. Klingende Marken, fette Etats, Werbepreise von Cannes bis zum Staatspreis: die Fachgruppen agieren, als bestünde die Werbebranche nur aus Glamour und großen Namen.
Die Realität ist aber anders. Die überwiegende Zahl der Mitglieder sind kleine und kleinste Unternehmen, vor allem Ein-Personen-Unternehmen sind sehr häufig vertreten.
Gerade sie kommen aber sehr schwer an attraktive Aufträge. Arbeitsgemeinschaften werden in Ausschreibungen diskriminiert - sofern diese überhaupt so transparent stattfinden, dass alle Unternehmen rechtzeitig davon erfahren.
Diese intransparenten Bedingungen wollen wir ändern. Kreativität und Leistung soll entscheiden und nicht die Unternehmensgröße. Denn die Wirtschaftswunder finden sich unten den kleinen Unternehmen.
Transparenz am Markt - speziell bei öffentlichen Vergaben
Die Vergabe von (öffentlichen) Etats muss transparenter werden. Öffentliche Mittel werden vielfach missbraucht, um politische Interessen zu bedienen. Das Ergebnis istnicht zu übersehen. Ein Blick auf die Bilanz von Venus, Staatspreis, Effie & Co lehrt: seit Jahren gab es keine wirklich herausragende Public Information-Kampagne mehr.
Zentrale Kommunikationsaufgaben des Staates hingegen werden vernachlässigt . Beispiele sind etwa der schlechte Informationsstand über Funktionsweise der EU bzw. der demokratischen Institutionen in Österreich, wachsende Ressentiments gegen „Fremde“ und vieles mehr).
Wer wie viel an Steuermitteln für „Information“ ausgibt, ist für niemanden nachvollziehbar. Erster Schritt muss daher eine zentrale Meldeinstanz sein, bei der jeder Euro, der für öffentliche Kommunikation verwendet wird, gemeldet wird.
Dies muss vor der Ausschreibung geschehen, so dass diese Instanz auch als Informationsdienst für interessierte Agenturen dienen kann.
Weiters sind die Ausschreibungsbedingungen zu professionalisieren.
Für unsere wichtigsten langjährigen Forderungen erwarten wir künftig auch die Unterstützung der anderen Fraktionen:
- Bessere und professionellere Briefings, die das Kommunikationsziel definieren (und nicht einfach Verlage festlegen, die Mittel aus Inseratenschaltungen erhalten sollen.)
- faire Zulassungsbedingungen zur Teilnahme an Ausschreibungen (keine Eintrittsschwellen durch restriktive Anrechnungsbedingungen für Referenzen)
- keine Behinderung von Arbeitsgemeinschaften (etwa durch solidarische Haftung aller AG-Mitglieder für das ganze Projekt)
- Fristenlauf mit ausreichender Zeit und entsprechender Würdigung des kreativen Prozesses für die Entwicklung von Kampagnenideen
Kostentransparenz für Anbieter (Agenturen) wie Kunden (Auftraggeber). Statt einem Zurück zu (kartellrechtlich bedenklichen und am Markt ohnehin nicht umsetzbaren) Honorarrichtlinien müssen Eckpunkte definiert werden, die eine Vergleichbarkeit von Angeboten ermöglichen - zum Nutzen von Anbietern und Auftraggebern. Hier muss rasch ist ein Prozess unter Beteiligung der Branche durchgeführt werden.
Gewistamonopol brechen
Bei der Außenwerbung ist in Österreich eine so hohe Markkonzentration gegeben, dass jeglicher Wettbewerb im Keim erstickt wird. Die Grüne Wirtschaft bekennt sich klar zur Vielfalt im Zugang zum öffentlichen Raum (Stichwort Dreieckständer, Kulturplakat, Stromkästen und co.). Die Fachgruppe Wien ist hier nach wie vor in der Umsetzung einer Resolution des Ausschusses säumig.
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Montag, September 21, 2009
Wie weiter, ORF?
Seit Tagen geht meine Mailbox nahezu über von Aussendungen und Statements zur österreichischen Medienpolitik im Allgemeinen und speziell dem ORF. Grund ist die ORF-Enquete, die letzte Woche im Parlament über die Bühne ging. Einen ganzen Tag befasste sich das Parlament – zumindest einige Abgeordnete – mit dem Thema Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Österreich. Dass es diese Enquete überhaupt gab, ist an sich schon als Fortschritt zu werten, beschränkt sich Medienpolitik in Österreich doch seit Jahrzehnten auf die Sicherung von Einflusszonen und das Zählen von Sendesekunden je Partei im ORF. Immerhin, diesmal – das fiel positiv auf – saßen Leute wie die Clubobleute Josef Cap und Karlheinz Kopf, aber auch eine Reihe anderer Abgeordneter (Amon, Vilimsky, Zinggl, Schennach, Jarmer) stundenlang interessiert im Publikum und hörten sich endlich mal an, was Medienschaffende (ob öffentlich-rechtlich oder privat, TV oder Print), Wissenschafter, Verbände und andere Experten zum Thema zu sagen hatten.
Mit ein paar Tagen Abstand schaffe ich es nun doch noch, ein paar Zeilen dazu zu schreiben:
Was gleich zu Beginn auffiel: wenig Interesse hatte das Parlament an der Meinung von Frauen. Eine einzige Referentin, Jane Vizard vom europäischen Dachverband öffentlich-rechtlicher Sender EBU, durfte das Wort ergreifen (nebenbei: es war die einzige, die – unübersetzt – nicht auf Deutsch referierte) und auch im Publikum (geladene Gäste konnten sich im Anschluss an die Referate zu Wort melden) waren Frauen eindeutig in der Minderheit. Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk in Österreich – eine reine Männersache? Hier wird es hoffentlich noch Gelegenheit geben, dieses Manko zumindest zu mindern, bevor ein neues ORF-Gesetz beschlossen wird.
Wohl zwangsläufig haben es Enqueten diesen Stils an sich, dass es keinen Raum für einen echten Diskurs gibt. Der Tag verging, indem alle ihre Positionen, die fast gänzlich vorher schon bekannt waren, noch einmal wiederholten. In diesem Umfeld versuchte ich in meinem Statement, wenigstens drei Prinzipien zu verankern, die (ich war der einzige eingeladene Vertreter der Werbebranche, die immerhin ein Drittel des ORF-Budgets beisteuert) aus Sicht der Branche unverzichtbar sind:
1) Der Werbemarkt braucht ein starkes (auch reichweitenstarkes) Leitmedium, in dieser Rolle ist der ORF (zumindest aus heutiger Sicht) von Privaten nicht zu ersetzen. Modelle eines gänzlich werbefreien Staatsfunks wie in Frankreich oder Spanien geplant, sind nicht auf Österreich und seinen kleinen Markt umzulegen und würden der Wirtschaft ernsthaft schaden. Auch ein Auftrag, nur solche Inhalte zu senden, die für Privat-TV (wirtschaftlich) nicht attraktiv genug wären, ist aus Sicht der Werbebranche für den ORF keine gangbare Lösung. Diesem Wunsch von VÖZ-Präsident und Styria-Boss Horst Pirker wird hoffentlich eine Absage erteilt.
2) Massive Einschränkungen der Werbemöglichkeiten im ORF würden zudem - so fürchten viele Agenturen - zu einem Abwandern von Werbekreation aus Österreich führen, was wiederum - angesichts der Vernetzung der Branche - die Kreativwirtschaft insgesamt empfindlich treffen würde. Es würde schwer - so sagten mir viele - Topleute im Land zu halten.
3) Mein drittes Anliegen fand leider nicht Eingang in die Kurzfassung der Parlamentskorrespondenz - und das werte ich als Zeichen, dass es umso nötiger ist, immer wieder drauf zurück zu kommen: Ich appellierte an alle Parteien, sich doch - bitte, bitte - an den Medienstrukturen des 21. Jahrhunderts und den Nutzungsgewohnheiten zu orientieren, die sich in den letzten Jahren massiv geändert haben (und noch weiter ändern werden), wenn sie in einem neuen ORF-Gesetz öffentlich-rechtliches Fernsehen (eben nicht nur!) neu regeln. Es sei wichtig, den ORF als Quelle für Information zu begreifen, die ihren Weg zum Publikum über verschiedene Kanäle findet. Die crossmedialen Möglichkeiten dürfe man ihm (und der Werbung) nicht nehmen. Die Regelungen für einen fairen Wettbewerb mit den Privaten (mein diesbezügliches Bekenntnis wurde in der Kurzfassung leider auch gekürzt) seien so zu definieren, dass sie in diese neue Medienwelt passen.
Das Österreich freilich völlig anders tickt, wenn es um Medienpolitk geht, zeigt die heutige Aussendung des Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreters Wilfried Haslauer. Er wünscht sich, dass "Salzburgs Naturlandschaften rund um die Uhr in die Wohnzimmer der Welt geliefert werden" müssen und forderte heute daher: "Wetterpanorama muss gesetzlich gesichert werden".
Von Internet hat Herr Haslauer wahrscheinlich noch nichts gehört. Und eigentlich sollte man so eine Äußerung einfach ignorieren oder nur drüber lachen. Das Drama ist jedoch, dass sich dieser doch etwas schräge Ansatz nur hinsichtlich des konkret gewünschten Sendeinhaltes, nicht aber vom grundsätzlichen Zugang her, nur marginal von dem unterscheidet, was ich von mancher vermeintlich berufeneren Seite im Parlament zu hören bekam.
Mehr regionale Möglichkeiten hab auch ich mir für die österreichische Werbebranche gewünscht. Wenn ich aber lese, was da alles gefordert wird, werde ich doch skeptisch. In einem Land, in dem führende Politiker Schiliftkameras per Gesetz auf Sendung zwingen wollen, wäre es wahrscheinlich besser gewesen, eine verpflichtende Quote für EU-Information einzufordern.
Mit ein paar Tagen Abstand schaffe ich es nun doch noch, ein paar Zeilen dazu zu schreiben:
Was gleich zu Beginn auffiel: wenig Interesse hatte das Parlament an der Meinung von Frauen. Eine einzige Referentin, Jane Vizard vom europäischen Dachverband öffentlich-rechtlicher Sender EBU, durfte das Wort ergreifen (nebenbei: es war die einzige, die – unübersetzt – nicht auf Deutsch referierte) und auch im Publikum (geladene Gäste konnten sich im Anschluss an die Referate zu Wort melden) waren Frauen eindeutig in der Minderheit. Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk in Österreich – eine reine Männersache? Hier wird es hoffentlich noch Gelegenheit geben, dieses Manko zumindest zu mindern, bevor ein neues ORF-Gesetz beschlossen wird.
Wohl zwangsläufig haben es Enqueten diesen Stils an sich, dass es keinen Raum für einen echten Diskurs gibt. Der Tag verging, indem alle ihre Positionen, die fast gänzlich vorher schon bekannt waren, noch einmal wiederholten. In diesem Umfeld versuchte ich in meinem Statement, wenigstens drei Prinzipien zu verankern, die (ich war der einzige eingeladene Vertreter der Werbebranche, die immerhin ein Drittel des ORF-Budgets beisteuert) aus Sicht der Branche unverzichtbar sind:
1) Der Werbemarkt braucht ein starkes (auch reichweitenstarkes) Leitmedium, in dieser Rolle ist der ORF (zumindest aus heutiger Sicht) von Privaten nicht zu ersetzen. Modelle eines gänzlich werbefreien Staatsfunks wie in Frankreich oder Spanien geplant, sind nicht auf Österreich und seinen kleinen Markt umzulegen und würden der Wirtschaft ernsthaft schaden. Auch ein Auftrag, nur solche Inhalte zu senden, die für Privat-TV (wirtschaftlich) nicht attraktiv genug wären, ist aus Sicht der Werbebranche für den ORF keine gangbare Lösung. Diesem Wunsch von VÖZ-Präsident und Styria-Boss Horst Pirker wird hoffentlich eine Absage erteilt.
2) Massive Einschränkungen der Werbemöglichkeiten im ORF würden zudem - so fürchten viele Agenturen - zu einem Abwandern von Werbekreation aus Österreich führen, was wiederum - angesichts der Vernetzung der Branche - die Kreativwirtschaft insgesamt empfindlich treffen würde. Es würde schwer - so sagten mir viele - Topleute im Land zu halten.
3) Mein drittes Anliegen fand leider nicht Eingang in die Kurzfassung der Parlamentskorrespondenz - und das werte ich als Zeichen, dass es umso nötiger ist, immer wieder drauf zurück zu kommen: Ich appellierte an alle Parteien, sich doch - bitte, bitte - an den Medienstrukturen des 21. Jahrhunderts und den Nutzungsgewohnheiten zu orientieren, die sich in den letzten Jahren massiv geändert haben (und noch weiter ändern werden), wenn sie in einem neuen ORF-Gesetz öffentlich-rechtliches Fernsehen (eben nicht nur!) neu regeln. Es sei wichtig, den ORF als Quelle für Information zu begreifen, die ihren Weg zum Publikum über verschiedene Kanäle findet. Die crossmedialen Möglichkeiten dürfe man ihm (und der Werbung) nicht nehmen. Die Regelungen für einen fairen Wettbewerb mit den Privaten (mein diesbezügliches Bekenntnis wurde in der Kurzfassung leider auch gekürzt) seien so zu definieren, dass sie in diese neue Medienwelt passen.
Das Österreich freilich völlig anders tickt, wenn es um Medienpolitk geht, zeigt die heutige Aussendung des Salzburger Landeshauptmann-Stellvertreters Wilfried Haslauer. Er wünscht sich, dass "Salzburgs Naturlandschaften rund um die Uhr in die Wohnzimmer der Welt geliefert werden" müssen und forderte heute daher: "Wetterpanorama muss gesetzlich gesichert werden".
Von Internet hat Herr Haslauer wahrscheinlich noch nichts gehört. Und eigentlich sollte man so eine Äußerung einfach ignorieren oder nur drüber lachen. Das Drama ist jedoch, dass sich dieser doch etwas schräge Ansatz nur hinsichtlich des konkret gewünschten Sendeinhaltes, nicht aber vom grundsätzlichen Zugang her, nur marginal von dem unterscheidet, was ich von mancher vermeintlich berufeneren Seite im Parlament zu hören bekam.
Mehr regionale Möglichkeiten hab auch ich mir für die österreichische Werbebranche gewünscht. Wenn ich aber lese, was da alles gefordert wird, werde ich doch skeptisch. In einem Land, in dem führende Politiker Schiliftkameras per Gesetz auf Sendung zwingen wollen, wäre es wahrscheinlich besser gewesen, eine verpflichtende Quote für EU-Information einzufordern.
Labels:
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Politik,
Werbung,
Wirtschaft
Samstag, August 29, 2009
Grenzen des Wachstums
Dennis Meadows - Autor von "Grenzen des Wachstums" 35 Jahre danach im Interview. Lesenswert.
Labels:
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Umwelt,
Wirtschaft
Donnerstag, August 27, 2009
In letzter Zeit
Wien verdoppelt seine Förderaktion für den ARBO in Form der so genannten Verschrottungsprämie für Fahrräder. Außer, dass hier eine SPÖ-Vorfeldorganistion in Kontakt mit potentiellen neuen Mitgliedern kommt, dürfte die Wirkung der Aktion beschränkt bleiben. Auf den modal Split in Wien wird diese Aktion ebensowenig Einfluss haben wie auf die Verkehrssicherheit. Aber die Politik zum Thema Radfahren in der Stadt Wien war immer schon von schönen Worten und schwachen Taten geprägt, wie die historische Analyse zum Radwegenetz von Sándor Békési, Kurator im Wien Museum, zeigt.
...
Christoph Leitl will ein neues Konjunturpaket, für Bau und Gewerbe. Immerhin hat er ein wenig gelernt und will 300 Mio. Euro für thermische Sanierung. Eine späte Erkenntnis, diese Forderung haben wir schon Anfang der 90er-Jahre bei Global 2000 erhoben und damals schon durchgerechnet, welche volkswirtschaftlichen Vorteile dies bringen würde. Aber es wird wohl bei der Forderung bleiben, denn Wirtschaftsminister Mitterlehner hat dies reflexartig als Voodoo-Ökonomie abgelehnt. Hier menschelts wohl auch, konnte doch die frühere ewige Nummer zwei der Wirtschaftskammer dem ehemaligen Chef endlich mal zeigen, wo der Bartl den Most holt. Innovative Ansätze lassen indes beide vermissen.
...
Mit den ersten beiden Konjunkturpaketen hat ja Österreich im internationalen Vergleich "einen umfangreichen Konjunkturimpuls" (Wifo) gesetzt. Das Wifo hat nun eine Analyse vorgelegt, was damit bewirkt wurde. Mit Ausgaben von 3,5% des nominellen BIP 2008 konnte der Einbruch des BIP für 2009 und 2010 lt. Wifo um 2,1% gedämpft werden. Oder, in Arbeitsplätzen ausgedrückt: 41.000 Arbeitsplätze blieben erhalten, der Anstieg der Arbeitslosenrate würde auf 0,7% gedämpft. Umgerechnet bedeutet das (das ist jetzt aber eine Milchmädchenrechnung), dass jeder dieser Arbeitsplätze mit knapp 240.000,- Euro gestützt wurde. Abgesehen davon, dass ich mir effizientere Fördermaßnahmen vorstellen könnte, bleibt die Frage der Nachhaltigkeit. Der Anteil so genannte Zukunftsinvestitionen lag bei diesen Paketen nur bei 30 % (noch einmal Stichwort Verschrottungprämie), erläuterte Wifo-Expertin Margit Schratzenstaller-Altzinger in Alpbach und bei der gleichen Veranstaltung meinte der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler, dass "die Bereitschaft, aus der aktuellen Krise substanziell zu lernen, kaum ausgeprägt ist." Ich habe dieser Analyse im Moment eigentlich nichts hinzuzufügen.
...
Andreas Unterberger ist ein Journalist mit in der Regel so kruden rechts-außen Meinungen, dass man ihn eigentlich getrost links liegen lassen kann. Doch in seinem Tagebuch diese Woche, genauer am Dienstag, vertritt er mit seiner AlleinerzieherInnen-Phobie eine Ansicht, die offenkundig ÖVP-Haltung und in der Regierung mehrheitsfähig ist. Daher zerre ich ihn doch zur Abwechslung mal aus seinem Trotzwinkel: Er schreibt von den gefährlichen Alleinerzieherinnen (ER meint sicher nur Frauen) die nur behaupten müssten, ihr Partner wäre gefährlich und schon - schwuppdiwupp - völlig unberechtigt genausolang Kindergeld beziehen könnten wie Ehepaare.
Leider denkt so auch die gesamte ÖVP (Marek, entzaubert) und die SPÖ hat in Wahrheit auch nichts entgegen zu setzen.
Auf der Strecke bleiben nicht nur wieder einmal die "gefährlichen" Alleinerzieherinnen (sicher zu 100 Prozent böswillige Egoistinnen, nur auf ihren Vorteil bedacht) sondern auch die Kinder. Denn auf den - einzig logischen - Ansatz, dass "Kindergeld" in gleicher Höhe für jedes Kind (und nicht pro Kopf der Erziehungsberechtigten) bemessen werden sollte, scheint in diesem eigenartigen Land kaum jemand zu kommen.
Selbst die Grünen argumentieren nicht am Punkt. Daniela Musiol verlangt, dass "Alleinerziehenden jene Monate, die normalerweise dem Partner zustehen, ausbezahlt werden." Damit bleibt auch hier das Bild, als würden die Alleinerziehenden etwas verlangen, das ihnen eigentlich nicht zusteht. So wird man der VP nicht beikommen.
Dabei ist es so einfach: das Geld gehört den Kindern. Jedem einzelnen steht gleich viel zu. Die Eltern (ob Alleinerziehende oder Paare) sind nur die VerwalterInnen der Mittel. Ist das so schwer zu begreifen?
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Christoph Leitl will ein neues Konjunturpaket, für Bau und Gewerbe. Immerhin hat er ein wenig gelernt und will 300 Mio. Euro für thermische Sanierung. Eine späte Erkenntnis, diese Forderung haben wir schon Anfang der 90er-Jahre bei Global 2000 erhoben und damals schon durchgerechnet, welche volkswirtschaftlichen Vorteile dies bringen würde. Aber es wird wohl bei der Forderung bleiben, denn Wirtschaftsminister Mitterlehner hat dies reflexartig als Voodoo-Ökonomie abgelehnt. Hier menschelts wohl auch, konnte doch die frühere ewige Nummer zwei der Wirtschaftskammer dem ehemaligen Chef endlich mal zeigen, wo der Bartl den Most holt. Innovative Ansätze lassen indes beide vermissen.
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Mit den ersten beiden Konjunkturpaketen hat ja Österreich im internationalen Vergleich "einen umfangreichen Konjunkturimpuls" (Wifo) gesetzt. Das Wifo hat nun eine Analyse vorgelegt, was damit bewirkt wurde. Mit Ausgaben von 3,5% des nominellen BIP 2008 konnte der Einbruch des BIP für 2009 und 2010 lt. Wifo um 2,1% gedämpft werden. Oder, in Arbeitsplätzen ausgedrückt: 41.000 Arbeitsplätze blieben erhalten, der Anstieg der Arbeitslosenrate würde auf 0,7% gedämpft. Umgerechnet bedeutet das (das ist jetzt aber eine Milchmädchenrechnung), dass jeder dieser Arbeitsplätze mit knapp 240.000,- Euro gestützt wurde. Abgesehen davon, dass ich mir effizientere Fördermaßnahmen vorstellen könnte, bleibt die Frage der Nachhaltigkeit. Der Anteil so genannte Zukunftsinvestitionen lag bei diesen Paketen nur bei 30 % (noch einmal Stichwort Verschrottungprämie), erläuterte Wifo-Expertin Margit Schratzenstaller-Altzinger in Alpbach und bei der gleichen Veranstaltung meinte der ehemalige EU-Kommissar Franz Fischler, dass "die Bereitschaft, aus der aktuellen Krise substanziell zu lernen, kaum ausgeprägt ist." Ich habe dieser Analyse im Moment eigentlich nichts hinzuzufügen.
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Andreas Unterberger ist ein Journalist mit in der Regel so kruden rechts-außen Meinungen, dass man ihn eigentlich getrost links liegen lassen kann. Doch in seinem Tagebuch diese Woche, genauer am Dienstag, vertritt er mit seiner AlleinerzieherInnen-Phobie eine Ansicht, die offenkundig ÖVP-Haltung und in der Regierung mehrheitsfähig ist. Daher zerre ich ihn doch zur Abwechslung mal aus seinem Trotzwinkel: Er schreibt von den gefährlichen Alleinerzieherinnen (ER meint sicher nur Frauen) die nur behaupten müssten, ihr Partner wäre gefährlich und schon - schwuppdiwupp - völlig unberechtigt genausolang Kindergeld beziehen könnten wie Ehepaare.
Leider denkt so auch die gesamte ÖVP (Marek, entzaubert) und die SPÖ hat in Wahrheit auch nichts entgegen zu setzen.
Auf der Strecke bleiben nicht nur wieder einmal die "gefährlichen" Alleinerzieherinnen (sicher zu 100 Prozent böswillige Egoistinnen, nur auf ihren Vorteil bedacht) sondern auch die Kinder. Denn auf den - einzig logischen - Ansatz, dass "Kindergeld" in gleicher Höhe für jedes Kind (und nicht pro Kopf der Erziehungsberechtigten) bemessen werden sollte, scheint in diesem eigenartigen Land kaum jemand zu kommen.
Selbst die Grünen argumentieren nicht am Punkt. Daniela Musiol verlangt, dass "Alleinerziehenden jene Monate, die normalerweise dem Partner zustehen, ausbezahlt werden." Damit bleibt auch hier das Bild, als würden die Alleinerziehenden etwas verlangen, das ihnen eigentlich nicht zusteht. So wird man der VP nicht beikommen.
Dabei ist es so einfach: das Geld gehört den Kindern. Jedem einzelnen steht gleich viel zu. Die Eltern (ob Alleinerziehende oder Paare) sind nur die VerwalterInnen der Mittel. Ist das so schwer zu begreifen?
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Donnerstag, August 20, 2009
Silvia blogt
Willkommen an Silvia Buschenreiter und ihren neuen Blog, heute mit einem lesenswerten Beitrag zum Thema 35-Studen Woche.
Mittwoch, August 05, 2009
Zu wenig Energie

Ungefähr 1500 "Gewinner" wird die gestern veranstaltete Lotterie um Photovoltaik-Förderung in Österreich ausweisen. 7000 Antragsteller konnten trotz überlastetem Server Ihre Anträge einreichen, um einen Teil der 18 Mio. € Fördermittel für ihr Projekt zu ergattern. Im Vorjahr waren binnen 18 Minuten 9 Mio. auf 820 Projekte verteilt. Formal läuft die Antragsfrist ja noch bis November, de facto war das Fördervolumen binnen weniger Stunden ausgeschöpft. Genauer gesagt: es ist um 350 Prozent überzeichnet (sh. Grafik). In der Steiermark wurde sogar beinahe die neunfache Summe eingereicht, als letztlich bewilligt werden kann. Und in diesen Zahlen sind jene, die am überlasteten Server scheiterten und gar nicht dazu kamen, ihre Projekte zu platzieren, noch gar nicht eingerechnet.
Dies ist in mehrfacher Hinsicht ärgerlich:
Für die Projektbetreiber bedeutet die Vorgangsweise, dass sie das ganze Jahr über im Ungewissen sind, ob es ihnen gelingen wird, in dem wenige Stunden langen Zeitfenster ihr Projekt zu platzieren um es so mit Glück vielleicht realisieren zu können. So kann man vielleicht Tickets für eine Fußballmeisterschaft vergeben, nicht aber Fördermittel für Projekte, denen eine genaue Planung und Kalkulation zugrunde liegt. Nicht zuletzt wegen dieser unzumutbaren Bedingungen haben wir diese Vergabe auch seitens der Grünen Wirtschaft kritisiert. Ein Fördermodell über gestützte Einspeisetarife wäre allemal fairer.
Die bereit gestellten Mittel sind viel zu gering. Das zeigt nicht nur der Andrang – es könnten wesentlich mehr Projekte realisiert werden – sondern auch die im internationalen Vergleich lächerlich geringen Investitionen in Strom aus Photovoltaik in Österreich. Tschechien beispielsweise rechnet heuer mit der Neuinstallation von 100 MWp Leistung, Deutschland mit etwa 2000, in Österreich hofft man, heuer erstmals die 10 MWp-Grenze zu übertreffen. 2008 wurden Neuanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 3 MWp installiert, weniger als die Hälfte des Jahres 2003 und nur 1/50 des deutschen Zubaus – verglichen pro Kopf, wohlgemerkt.
Nicht viel anders sieht es bei Windenergie aus. "Dank" des Ökostromgesetzes von 2006 wurden im Jahr 2007 wurden nur zehn Windkraftanlagen mit insgesamt 19,5 MW und im Jahr 2008 lediglich sieben Anlagen mit insgesamt 14 MW errichtet. 2003 bis 2006 lag man bereits bei durchschnittlich 100 Anlagen mit 200 MW pro Jahr. "Mit der aktuellen Ausbaugeschwindigkeit benötigen wir 50 Jahre, um das Ökostromgesetz-Ziel von 700 MW Windkraft zu erreichen, das dort für 2015 vorgesehen ist. Die sieben Terawattstunden, die wir zur Erfüllung des EU-Zieles im Jahr 2020 brauchen, wären erst in 180 Jahren erreicht", kritisierte Mag. Stefan Hantsch, Geschäftsführer der IG Windkraft, bei der Präsentation der Jahresbilanz 2008.
Während in Deutschland der Markt für Erneuerbare Energien "täglich 80 neue Arbeitsplätze" schafft, steckt in Österreich noch immer viel zu wenig Energie in dem Thema. Es sind private Initiativen von engagierten UnternehmerInnen und von privaten Haushalten, die das Thema Erneuerbare Energie vorantreiben. Die Politik zaudert. Die zuständigen Minister Berlakovic und Mitterlehner haben mit der "Energeistrategie Österreich" Zielvorgaben gesetzt, die hinter den EU-Vorgaben zurückbleiben. Die Umweltorganisationen Greenpeace, WWF und Global 2000 protestierten. Bis Oktober, rechtzeitig vor der Klimakonferenz in Kopenhagen, sollen die Arbeitsgruppen konkrete Ergebnisse liefern. Derzeit lässt aber nichts darauf schliessen, dass seitens der Bundesregierung mehr Energie in eine Energiewende gesteckt würde. Wer weiß, vielleicht braucht es im Winter wieder verschlossene Gashähne in Rußland, um ein Umdenken zu bewirken, wenn schon Arbeitsplatzargumente, offensichtlich vorhandenes Engagement in Bevölkerung und Privatwirtschaft und international verpflichtende Klimaschutzziele nicht ausreichen, den Retro-Politikern in der Bundesregierung auf die Sprünge zu helfen.
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Freitag, April 17, 2009
Kraftlos und daneben
Mindestens zweimal ärgern ist derzeit angesagt, wenn man Österreichs aktueller Bundesregierung bei der Arbeit zuschaut. Und das obwohl ich dabei die leidige Schuldebatte, die in ihrer gesamten Ausrichtung an den Erfordernissen vorbei führt, außer Acht lasse.
Zum ersten gibt es wieder einmal eine kraftlose „Energiestrategie Österreich“, zu der sich heute gleich zwei Minister – Mitterlehner und Berlakovich – vor die Presse setzten. Dort erklärten sie dann, dass sie in Wahrheit keinen Plan haben: "Die Energiestrategie Österreich soll nicht verordnet werden, sondern als Prozess in den nächsten Monaten erarbeitet werden. Dazu wurde von beiden Ministerien das Beratungsunternehmen brainbows mit der Koordination beauftragt.“ Schön für Monika Langthaler und Christian Nohel, die mit ihrer Beraterfirma gute Arbeit leisten. Doch allein die Tatsache, dass zwei Ministerien gemeinsam eine Pressekonferenz einberufen um zu erklären, dass sie einen Beratungsauftrag zu einem Thema vergeben haben, bei dem wir schon seit Jahren in der Umsetzung sein sollten, ist absolut niederschmetternd.

Der Aufreger der Woche ist jedoch Paul Krugmann und seine Einschätzung des Risikos der Ostkredite österreichischer Banken für die Staatsfinanzen. Innerhalb kürzester Zeit rückte alles aus, was in Österreich Rang und Namen hat, um die Situation schönzureden, vom Notenbankchef Ewald Nowotny angefangen über Gewerkschafter bis hin zum WKO-Präsidenten Christioph Leitl – alle sind sich einig, dass Krugman völlig falsch liegt. Blöd nur, dass dabei auch dementiert wurde, was Krugman nicht gesagt hat, nämlich ein drohender Staatsbankrott. Er hatte ja nur von einem wahrscheinlich notwendigem weiteren Bankenhilfspaket gesprochen und dass das für Österreich allein wahrscheinlich eine zu große Last sei.
Völlig kontraproduktiv ist die beleidigte Reaktion von Finanzminister Pröll, der das Thema durch seine schlecht vorbereitete und dilettantisch kommunizierte Osteuropa-Tour im Februar höchstpersönlich auf die internationale Agenda gesetzt hat. Er warf Krugman postwendend Inkompetenz und Neid unterstellte. (WKO-Präsident Leitl hat diese Argumentation dann auch gleich übernommen.) Fehlt nur noch, dass man sagt, Krugman wolle Österreichs Wirtschaft schaden, weil er an der amerikanischen Ostküste zu Hause sei.
Eric Frey im Standard ist einer der wenigen in Österreich, der bei diesem Thema nüchtern blieb und sich die Sicht auf die Fakten nicht von gekränkten Nationalstolz verstellen ließ.
Zum ersten gibt es wieder einmal eine kraftlose „Energiestrategie Österreich“, zu der sich heute gleich zwei Minister – Mitterlehner und Berlakovich – vor die Presse setzten. Dort erklärten sie dann, dass sie in Wahrheit keinen Plan haben: "Die Energiestrategie Österreich soll nicht verordnet werden, sondern als Prozess in den nächsten Monaten erarbeitet werden. Dazu wurde von beiden Ministerien das Beratungsunternehmen brainbows mit der Koordination beauftragt.“ Schön für Monika Langthaler und Christian Nohel, die mit ihrer Beraterfirma gute Arbeit leisten. Doch allein die Tatsache, dass zwei Ministerien gemeinsam eine Pressekonferenz einberufen um zu erklären, dass sie einen Beratungsauftrag zu einem Thema vergeben haben, bei dem wir schon seit Jahren in der Umsetzung sein sollten, ist absolut niederschmetternd.

Der Aufreger der Woche ist jedoch Paul Krugmann und seine Einschätzung des Risikos der Ostkredite österreichischer Banken für die Staatsfinanzen. Innerhalb kürzester Zeit rückte alles aus, was in Österreich Rang und Namen hat, um die Situation schönzureden, vom Notenbankchef Ewald Nowotny angefangen über Gewerkschafter bis hin zum WKO-Präsidenten Christioph Leitl – alle sind sich einig, dass Krugman völlig falsch liegt. Blöd nur, dass dabei auch dementiert wurde, was Krugman nicht gesagt hat, nämlich ein drohender Staatsbankrott. Er hatte ja nur von einem wahrscheinlich notwendigem weiteren Bankenhilfspaket gesprochen und dass das für Österreich allein wahrscheinlich eine zu große Last sei.
Völlig kontraproduktiv ist die beleidigte Reaktion von Finanzminister Pröll, der das Thema durch seine schlecht vorbereitete und dilettantisch kommunizierte Osteuropa-Tour im Februar höchstpersönlich auf die internationale Agenda gesetzt hat. Er warf Krugman postwendend Inkompetenz und Neid unterstellte. (WKO-Präsident Leitl hat diese Argumentation dann auch gleich übernommen.) Fehlt nur noch, dass man sagt, Krugman wolle Österreichs Wirtschaft schaden, weil er an der amerikanischen Ostküste zu Hause sei.
Eric Frey im Standard ist einer der wenigen in Österreich, der bei diesem Thema nüchtern blieb und sich die Sicht auf die Fakten nicht von gekränkten Nationalstolz verstellen ließ.
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Donnerstag, März 12, 2009
Diversity Marketing

Seit gestern offiziell Online ist der neue Diversity Marketing Blog. Damit wollen wir eine Plattform schaffen für Informationen und Diskusstionen über dieses Thema. Entsprechend der sechs Dimensionen, die auch im Diversity Management thematisiert werden (Ethnische Herkunft, Religion, Geschlecht, Sexuelle Orientierung, Besondere Bedürfnisse/Behinderungen sowie Alter), geht es beim Diversity Marketing darum, diese Zielgruppen entsprechend ihrer Lebenssituation, Werte, Erwartungen, ihres Glaubens und ihres Lebensstils zu erreichen und dafür geeignete Kommunikationskanäle zu nutzen. Im Blog sammeln wir Daten und Fakten, Fallbeispiele aber auch Meinungen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass es sich bei Diversity Marketing um kein Minderheitenthema handelt, sondern dass aus diesem Bereich zahlreiche Innovationsimpulse auch für traditionelles Mainstream-Marketing kommen werden. Denn eines war immer schon klar: Vielfalt fördert Kreativität.
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Crash! Boom! Bang!
Der deutsche Umweltbericht 2009 untersucht erstmals die Bedeutung der Umweltbranche für die Wirtschaft. Das erfreuliche Ergebnis: 1,8 Millionen Menschen sind in der Branche beschäftigt und anders als traditionelle Branchen sind Wasserwirtschaft, Energieeffizienz, Recyclingtechnik und Co nach wie vor ein Wachstumsmarkt. Bis 2020 soll sich der Umsatz verdoppeln. Ekkehard Schulz, Chef von ThyssenKrupp, berichtet das SZ-Magazin, erwartet, dass die Umwelttechnologie »bis zum Jahr 2020 die Automobilbranche als Leitindustrie ablösen« könne und der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie, sagte kürzlich: »Generell ist Klimaschutz für die gesamte hiesige Industrie eine Riesenchance, weil wir mit unserem weltweit führenden Know-how beste Exportchancen haben.«
Grundlage für die heutigen Erfolge der Industrie waren grüne Forderungen und Gesetzesanträge. In den 80ern wurde heftig gestritten um Fragen wie Waschmittelgesetz (wegen der Schaumkronen auf deutschen - und österreichischen) Flüssen oder die Entschwefelung von Industrieabgasen (wegen des sauren Regens und dem Waldsterben). Auch diese Aspekte werden in der Geschichte des SZ-Magazins gut beleuchtet. Lesenswert. Einst als unzumutbar verdammt, ist es grüne Politik, die heute den einzigen Weg aus der Wirtschaftskrise eröffnet hat.
Grundlage für die heutigen Erfolge der Industrie waren grüne Forderungen und Gesetzesanträge. In den 80ern wurde heftig gestritten um Fragen wie Waschmittelgesetz (wegen der Schaumkronen auf deutschen - und österreichischen) Flüssen oder die Entschwefelung von Industrieabgasen (wegen des sauren Regens und dem Waldsterben). Auch diese Aspekte werden in der Geschichte des SZ-Magazins gut beleuchtet. Lesenswert. Einst als unzumutbar verdammt, ist es grüne Politik, die heute den einzigen Weg aus der Wirtschaftskrise eröffnet hat.
Sonntag, Februar 22, 2009
Bad Bank - Good Bank
Kanzlerin Merkel nutzt die eher zurückhaltende Performance der tschechischen Ratspräsidentschaft und hat heute die Spitzen der EU zum Vorbereitungsgipfel für das G20-Treffen (2. April, London) nach Berlin geladen. In London wollen die Staatschefs die "totale Kontrolle der Finanzmärkte" durchsetzen. Nächste Woche wollen Merkel, Sarkozy, Brown und Co in Brüssel die EU-27 von ihrer Idee überzeugen.
Man muss kein Schwarzseher sein, um sofort zu überlegen, wo denn der Kuhhandel versteckt sein wird, sollte diese - an sich ohnehin dringend notwendige - Maßnahme kommen. Und ein Gedanke liegt nahe, die "Bad Bank". Es wäre keine Überraschung, würde die Politik mit den großen Finanzinsitutionen eine weitergehende Kontrolle gegen die Übernahme der faulen Kredite durch den Staat (bzw. multinationale staatliche Insitutionen), also durch die Steuerzahler abtauschen. Nahezu im Stundentakt werden dazu von Finanzlobbyisten Konzepte vorgelegt und Forderungen aufgestellt. Wer aktuell in Google-News den Begriff "Bad Bank" eingibt, hat zu tun, bis er all die Interviews, Konzeptpräsentationen und Kommentare zu dem Thema gesichtet hat.
Es ginge auch anders. Kurt Bayer, Executivdirektor der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung plädiert in seinem Kommentar im Falter 8/09 für eine "Good Bank" und beruft sich dabei auf eine Reihe namhafter Ökonomen, die das selbe wollen. Statt der schlechten, solle der Staat die "guten" Vermögenswerte von den in die Krise geratenen Banken abkaufen. Die Banken würden dabei ihre Banklizenz verlieren und hätten als einzige Aufgabe nur noch die Abwicklung der schlechten Werte. Vorteil: niedrigere Kosten und eine raschere Wiederaufnahme des Kreditgeschäftes. Denn anders als bezweckt, seien bisherige Hilfpakete von den Banken nicht für neues Kreditgeschäft genutzt worden, sondern dafür, die eigenen Bilanzen aufzubessern. Der Staat dagegen könne rasch die Wiederaufnahme eines funktionierenden Kreditmarktes sicher stellen und dann die "gute Bank" nach Bewältigung der Krise wieder privatisieren.
Freilich, die Vorgangsweise "Good Bank" sei "ein Systembruch", meint Bayer. Denn die Folgen der Krise, des "exzessiven Verhaltens der Manager" würde nicht auf die Steuerzahler abgewälzt, sondern auf die Eigentümer der alten Banken. Die werden sich natürlich wehren.
Trotz des heute in Berlin zur Schau gestellten Selbstbewusstseins ist daher damit zu rechnen, dass die "Good Bank" Theorie bleibt, die Steuerzahler aber für eine "Bad Bank" erneut zur Kasse gebeten werden.
Man muss kein Schwarzseher sein, um sofort zu überlegen, wo denn der Kuhhandel versteckt sein wird, sollte diese - an sich ohnehin dringend notwendige - Maßnahme kommen. Und ein Gedanke liegt nahe, die "Bad Bank". Es wäre keine Überraschung, würde die Politik mit den großen Finanzinsitutionen eine weitergehende Kontrolle gegen die Übernahme der faulen Kredite durch den Staat (bzw. multinationale staatliche Insitutionen), also durch die Steuerzahler abtauschen. Nahezu im Stundentakt werden dazu von Finanzlobbyisten Konzepte vorgelegt und Forderungen aufgestellt. Wer aktuell in Google-News den Begriff "Bad Bank" eingibt, hat zu tun, bis er all die Interviews, Konzeptpräsentationen und Kommentare zu dem Thema gesichtet hat.
Es ginge auch anders. Kurt Bayer, Executivdirektor der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung plädiert in seinem Kommentar im Falter 8/09 für eine "Good Bank" und beruft sich dabei auf eine Reihe namhafter Ökonomen, die das selbe wollen. Statt der schlechten, solle der Staat die "guten" Vermögenswerte von den in die Krise geratenen Banken abkaufen. Die Banken würden dabei ihre Banklizenz verlieren und hätten als einzige Aufgabe nur noch die Abwicklung der schlechten Werte. Vorteil: niedrigere Kosten und eine raschere Wiederaufnahme des Kreditgeschäftes. Denn anders als bezweckt, seien bisherige Hilfpakete von den Banken nicht für neues Kreditgeschäft genutzt worden, sondern dafür, die eigenen Bilanzen aufzubessern. Der Staat dagegen könne rasch die Wiederaufnahme eines funktionierenden Kreditmarktes sicher stellen und dann die "gute Bank" nach Bewältigung der Krise wieder privatisieren.
Freilich, die Vorgangsweise "Good Bank" sei "ein Systembruch", meint Bayer. Denn die Folgen der Krise, des "exzessiven Verhaltens der Manager" würde nicht auf die Steuerzahler abgewälzt, sondern auf die Eigentümer der alten Banken. Die werden sich natürlich wehren.
Trotz des heute in Berlin zur Schau gestellten Selbstbewusstseins ist daher damit zu rechnen, dass die "Good Bank" Theorie bleibt, die Steuerzahler aber für eine "Bad Bank" erneut zur Kasse gebeten werden.
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Solarenergie - aber richtig
Schön langsam kommt auch bei traditionellen Energieunternehmen etwas Schwung in das Thema Solarenergie und E-Mobilität. Ob sie es ganz verstanden haben, ist aber noch nicht sicher. Dazu hab ich am ÖkoEnergie-Blog einen Beitrag verfasst.
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Dienstag, Jänner 27, 2009
Globale Finanzausrede
Nach mehreren Wochen Blogger-Pause hat mir die ZiB soeben den Anlass geliefert, endlich wieder mal auch hier aktiv zu werden. Die Krise erfordere – so sinngemäß Kanzler und Vizekanzler – nun auch ein Eingreifen in den Volkswirtschaften Zentral- und Osteuropas. Österreichs Banken seien ja der größte Kreditgeber in diesen Ländern und bei vielen Krediten könne man nun nicht sicher sein, dass die Gelder zurückgezahlt werden könnten. Es geht um 230 Milliarden Euro, 70 % des österreichischen BIP. Schon morgen wolle man darüber mit Kanzlerin Merkel verhandeln.
Nun also doch. Nachdem man ja erst offiziell gemeint hatte, Österreichs Banken seien gar nicht so sehr betroffen, weil nicht in dem Maß in riskanten Derivatmärkten engagiert, hatte man dann doch – quasi vorbeugend – ein 100-Milliarden-Paket geschnürt. Und nun reicht das offenbar auch nicht mehr. Jetzt muss noch mehr geholfen werden.
Überhaupt ist derzeit Aktionismus angesagt in der Regierung. Kein Tag vergeht, ohne dass irgendeine Maßnahme angekündigt wird. Plan scheint dabei keiner vorhanden zu sein. Die Verschrottungsprämie für Altautos hilft am allerwenigsten der österreichischen Wirtschaft, päppelt aber das Gemüt von Herrenfahrern auf. Und nun soll also österreichisches Steuergeld für den osteuropäischen „Kreditschock“ verwendet werden.
Kein Wort allerdings auch diesmal von irgendwelchen Konsequenzen im bzw. mit System. Ein kurzer Vergleich: Auch Obama hilft „seinen“ US-Banken, kündigt aber zugleich wesentlich strengere Regeln für die Finanzbranche an.
Es ist, als würde diese globale Finanz- und Wirtschaftskrise wie in Zeitlupe an uns vorüberziehen. Keiner redet gern darüber, doch hinter der Hand sagt jeder die nächsten Schritte voraus. Z.B.: Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir den Kreditkartenunternehmen helfen müssen?
Ulrich Krystek, Professor an der FH Worms, befasst sich seit Jahrzehnten mit der Genese und dem Ablauf von Krisen und den Möglichkeiten, ihnen zu begegnen. Vereinfacht dargestellt, teilt er sie in diese vier Phasen:
1. Die potentielle Krise oder den Normalzustand. Hier sollten mögliche Krisenherde identifiziert und langfristige Strategien danach ausgerichtet werden.
2. Die Frühphase, in der erste Auswirkungen sichtbar werden. Geeignete Strategien können den Ausbruch der totalen Krise noch verhindern. In dieser Phase stehen noch viele Handlungsalternativen offen, der Entscheidungsdruck ist noch gering.
3. Die akute Phase, in der bereits die zerstörerische Wirkung der Krise sichtbar wird. Zeit- und Entscheidungsdruck nehmen zu, Handlungsspielräume werden enger. Trotzdem kann noch immer gegengesteuert und die Krise bewältigt werden.
4. In der Finalphase gerät das Geschehen außer Kontrolle, der Zeitdruck wird immer größer, getroffene Maßnahmen verpuffen, die Krise ist kaum noch zu steuern und die Ziele geraten außer Reichweite.
Gemessen an den spürbaren Auswirkungen in der Realität, befinden wir uns an sich nach dieser Kategorisierung in Phase 2. (All jene, die große Verluste an der Börse hinnehmen mussten, mehr noch aber jene, die bereits von Kurzarbeit betroffen sind oder gar ihren Job verloren haben, mögen mir diese Einschätzung verzeihen.) Doch ohne eine klare Perspektive – und die ist in der Regierungspolitik nicht erkennbar – wird es bald enger werden. Dabei wäre die Finanzkrise – würde sie nicht nur als Ausrede für blinden Aktionismus und Klientelpolitik genutzt – ein Anlass, auch endlich die wesentlich bedrohlichere Krise mit beherzter Politik anzugehen: die Klimakrise. Die Pläne dafür gibt es und sie wären – mit Kosten von weniger als 1% des globalen BIB – auch leichter finanzierbar als der osteuropäische „Kreditschock“.
Nun also doch. Nachdem man ja erst offiziell gemeint hatte, Österreichs Banken seien gar nicht so sehr betroffen, weil nicht in dem Maß in riskanten Derivatmärkten engagiert, hatte man dann doch – quasi vorbeugend – ein 100-Milliarden-Paket geschnürt. Und nun reicht das offenbar auch nicht mehr. Jetzt muss noch mehr geholfen werden.
Überhaupt ist derzeit Aktionismus angesagt in der Regierung. Kein Tag vergeht, ohne dass irgendeine Maßnahme angekündigt wird. Plan scheint dabei keiner vorhanden zu sein. Die Verschrottungsprämie für Altautos hilft am allerwenigsten der österreichischen Wirtschaft, päppelt aber das Gemüt von Herrenfahrern auf. Und nun soll also österreichisches Steuergeld für den osteuropäischen „Kreditschock“ verwendet werden.
Kein Wort allerdings auch diesmal von irgendwelchen Konsequenzen im bzw. mit System. Ein kurzer Vergleich: Auch Obama hilft „seinen“ US-Banken, kündigt aber zugleich wesentlich strengere Regeln für die Finanzbranche an.
Es ist, als würde diese globale Finanz- und Wirtschaftskrise wie in Zeitlupe an uns vorüberziehen. Keiner redet gern darüber, doch hinter der Hand sagt jeder die nächsten Schritte voraus. Z.B.: Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir den Kreditkartenunternehmen helfen müssen?
Ulrich Krystek, Professor an der FH Worms, befasst sich seit Jahrzehnten mit der Genese und dem Ablauf von Krisen und den Möglichkeiten, ihnen zu begegnen. Vereinfacht dargestellt, teilt er sie in diese vier Phasen:
1. Die potentielle Krise oder den Normalzustand. Hier sollten mögliche Krisenherde identifiziert und langfristige Strategien danach ausgerichtet werden.
2. Die Frühphase, in der erste Auswirkungen sichtbar werden. Geeignete Strategien können den Ausbruch der totalen Krise noch verhindern. In dieser Phase stehen noch viele Handlungsalternativen offen, der Entscheidungsdruck ist noch gering.
3. Die akute Phase, in der bereits die zerstörerische Wirkung der Krise sichtbar wird. Zeit- und Entscheidungsdruck nehmen zu, Handlungsspielräume werden enger. Trotzdem kann noch immer gegengesteuert und die Krise bewältigt werden.
4. In der Finalphase gerät das Geschehen außer Kontrolle, der Zeitdruck wird immer größer, getroffene Maßnahmen verpuffen, die Krise ist kaum noch zu steuern und die Ziele geraten außer Reichweite.
Gemessen an den spürbaren Auswirkungen in der Realität, befinden wir uns an sich nach dieser Kategorisierung in Phase 2. (All jene, die große Verluste an der Börse hinnehmen mussten, mehr noch aber jene, die bereits von Kurzarbeit betroffen sind oder gar ihren Job verloren haben, mögen mir diese Einschätzung verzeihen.) Doch ohne eine klare Perspektive – und die ist in der Regierungspolitik nicht erkennbar – wird es bald enger werden. Dabei wäre die Finanzkrise – würde sie nicht nur als Ausrede für blinden Aktionismus und Klientelpolitik genutzt – ein Anlass, auch endlich die wesentlich bedrohlichere Krise mit beherzter Politik anzugehen: die Klimakrise. Die Pläne dafür gibt es und sie wären – mit Kosten von weniger als 1% des globalen BIB – auch leichter finanzierbar als der osteuropäische „Kreditschock“.
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Mittwoch, Dezember 10, 2008
Story of Stuff

Die Free Range Studios sind schon länger weltweit bekannt für origielle und unterhaltsame Vermittlung ökologischer Inhalte. Klassiker des Unternehmens sind z. B. Storewars, eine Bio-Food-Persiflage des Science-Fiction-Klassikers oder The Meatrix.
Nun ist der viel beachtete Film der Kreativschmiede zum Thema Stoffkreislauf und Recycling, The Story of Stuff, auch mit deutschen (sowie wahlweise auch arabischen, niederländischen, französischen, hebräischen, chinesischen - mandarin, portugiesischen, spanischen und thailändischen) Untertiteln erschienen.
Im Detail wohl an manchen Stellen etwas "amerikanisch" doch auf alle Fälle Wert, sich 20 Minuten Zeit zu nehmen und den Film anzusehen. Denn: Ja, wir alle wissen es - aber es verdrängt sich so leicht im Alltag.
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Mittwoch, November 19, 2008
Zukunft der Weltwirtschaft

Mit dem Zusammenbruch der Finanzmärkte schlittert auch die Realwirtschaft in die Krise. Kann man die angeblich schuldigen Investmentbanker alleine verantwortlich machen, oder sind wir alle die "Mittäter" eines außer Kontrolle geratenen Systems? Gehen wir nach kurzer Panik wieder zur Tagesordnung über, oder besteht die Chance, eine neue Weltfinanzordnung zu entwickeln? Kann und wird die Politik die Märkte zügeln, oder wird aus dem Ende mit Schrecken ein Schrecken ohne Ende?
Am kommenden Freitag veranstaltet die Grüne Wirtschaft einen Gesprächsabend, zu dem wir sehr herzlich einladen:
"Game over! – Die Zukunft der Weltwirtschaft nach dem Crash"
Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, im Gespräch mit:
Dr. Kurt Bayer
Board Director der European Bank for Reconstruction and Development, London
(Ehem. Exekutivdirektor der Weltbank, Washington)
Dr. Rudolf Scholten
Mitglied des Vorstandes der Oesterreichischen Kontrollbank AG, Wien
(Ehem. Bundesminister für Unterricht, Wissenschaft und Kunst)
Zeit: Freitag, 21. November 2008, 19.30 Uhr
(Get together ab 18.00 Uhr, nach der Veranstaltung: Buffet und Getränke)
Ort: NH, Danube City Hotel, Wagramer Straße 21, 1220 Wien
(Neben U1-Station "Kaisermühlen – Vienna International Center")
Anmeldung unter: office@gruenewirtschaft.at
Dienstag, November 11, 2008
Arbeitslose UnternehmerInnen

Ab 1.1.2009 tritt ein neues Modell für Arbeitslosenversicherung für Selbständige in Kraft. Damit wird eine langjährige Forderung der Grünen Wirtschaft teilweise erfüllt - wenn auch unzureichend und ohne die Probleme zu lösen.
In einer Einladung der Bezirksstelle Wien-Floridsdorf der Wirtschaftskammer Wien zeigt sich nun unfreiwillig die halbherzige Einstellung der Wirtschaftskammer zu diesem Thema: Einerseits sieht man schön langsam ein, dass auch Scheitern und Mißerfolg zum UnternehmerInnen-Dasein gehören und unter den eigenen Mitgliedern Arbeitslosigkeit sehr wohl ein Thema ist. Man hat erkannt, dass man was tun muss. Aber eine selbstverständlich-entspannte Haltung wurde noch nicht entwickelt.
Ich überlege, wie ich das Bild interpretieren soll:
Ist da jemand dargestellt, der sich anpirscht und nach Geld greift, das ihm eigentlich nicht zusteht? Oder ist die arme Person schon so schwach (nach langer Zeit ohne Einkommen), dass sie nicht mehr stehen und zum rettenden Geld nur noch kriechen kann?
So oder so - die paar Cent, die auf dem Tisch liegen, werden ohnehin niemandem helfen.
Sonntag, Oktober 12, 2008
Patagonia - Footprint
Ich hätte nicht unbedingt erwartet, vom Golden Drum-Festival Ideen für Umweltschutz mitzunehmen. Doch Paul Kemp-Robertson vom Contagious Magazine brachte ein Beispiel für innovatives Marketing, das meine beiden Leidenschaften - nachhaltige Wirtschaft und gutes Marketing - vereint:
Patagonia, amerikanischer Hersteller von Outdoor-Kleidung, hat die bisher wahrscheinlich kompletteste Umsetzung des Footprint-Gedankens in seinem Marketing. Auf der Website ist zu jedem Produkt jeder Produktionsschritt genau dokumentiert. Patagonia nimmt das Interesse seiner Kunden (genauzu wissen, was man am Leib trägt) ernst wie meines Wissens bisher kein anderer Anbieter am Markt - und hat Erfolg damit.
Patagonia, amerikanischer Hersteller von Outdoor-Kleidung, hat die bisher wahrscheinlich kompletteste Umsetzung des Footprint-Gedankens in seinem Marketing. Auf der Website ist zu jedem Produkt jeder Produktionsschritt genau dokumentiert. Patagonia nimmt das Interesse seiner Kunden (genauzu wissen, was man am Leib trägt) ernst wie meines Wissens bisher kein anderer Anbieter am Markt - und hat Erfolg damit.
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Dienstag, September 23, 2008
Medienmesse 1
Mittwoch beginnt die Medienmesse, der Fachverband ist wieder mit einem Messestand vertreten. Besonders freut mich, dass wir wieder Ausbildungsinstitutionen mit dabei haben. Die FH St. Pölten, die Wiener Werbeakademie, die Graphische und der Lehrgang für Werbung und Verkauf der WU Wien präsentieren sich und ihre Arbeit. Dabei haben sie sich einiges für die nächsten drei Tage einfallen lassen. Man darf gespannt sein.
Seitens des Fachverbandes wird der Donnerstag der wichtigste Tag mit intensivem Programm. Wir präsentieren die Forderungen an die künftige Bundesregierung (dazu haben sich Vertreter der meisten Parlamentsparteien - bis auf die SPÖ - angesagt), werfen einen Blick auf die Werbemärkte vor unserer Haustür und diskutieren das Thema Selbstregulierung in der Werbung und verantwortungsbewusste Werbung (am Beispiel Alkohol) in Zusammenarbeit mit dem europäischen Dachverband EACA.
Eine Übersicht über das Programm hier. Weitere Berichte folgen in den nächsten Tagen.
Seitens des Fachverbandes wird der Donnerstag der wichtigste Tag mit intensivem Programm. Wir präsentieren die Forderungen an die künftige Bundesregierung (dazu haben sich Vertreter der meisten Parlamentsparteien - bis auf die SPÖ - angesagt), werfen einen Blick auf die Werbemärkte vor unserer Haustür und diskutieren das Thema Selbstregulierung in der Werbung und verantwortungsbewusste Werbung (am Beispiel Alkohol) in Zusammenarbeit mit dem europäischen Dachverband EACA.
Eine Übersicht über das Programm hier. Weitere Berichte folgen in den nächsten Tagen.
Mittwoch, September 17, 2008
Internationale Kooperation macht erfolgreich
Ich sag es ja schon immer: Interkulturelle Zusammenarbeit fördert die Kompetenz und macht erfolgreich. Eine Studie hat das nun für den Filmsektor nachgewiesen. Internationale Koproduktionen reüssieren besser am Markt. Details dazu findet man hier.
Sonntag, September 14, 2008
Wahlkampf in Tanaland
Die Wahl rückt näher und wie immer versuchen die Parteien, einander mit Wahlzuckerln zu überbieten. Die Kosten sind längst ausgerechnet und es sollte allen klar sein, dass nur ein Bruchteil dieser Geschenke finanzierbar ist. Oder man muss das Geld halt wo anders rein holen. Darüber wurde zwar schon in allen Medien sehr viel geschrieben, Spuren in den Wahlkampfzentralen hat das aber nicht hinterlassen.
Ein Blick auf die aktuellen Wahlversprechen bringt mir die „Lehren von Tanaland“ in Erinnerung, die der deutsche Kybernetiker Frederic Vester schon vor über 20 Jahren beschrieben hat (Vgl. „Neuland des Denkens“, dtv, 1984). „Tanaland“ war ein frühes Computer-Simulationsspiel (entwickelt in den 70er-Jahren vom Bamberger Psychologen Dietrich Dörner), in dem Versuchspersonen unterschiedlicher Fachrichtungen in eine virtuelle Gesellschaft eingreifen konnten. Sie konnten Infrastruktur beeinflussen, Medizin- und Bildungssysteme verändern, bestimmen, welche landwirtschaftlichen Produkte angebaut werden und so fort. Inzwischen gibt es ja dutzende solcher Spiele für den Hausgebrauch.
Sechs Fehler wurden bereits damals als typisch für menschliches Verhalten identifiziert. Und es ist durchaus lehrreich, die aktuellen Versprechen (Mehrwertsteuersenkung, Abschaffung der Studiengebühren oder – diese Forderung schafft besonders viele „Punkte“ – staatliche Regelung des Benzinpreises) nach diesen Kriterien zu analysieren.
1. Fehler: Mangelhafte Zielerkennung
Man neigt dazu, ein System „abzugrasen“ bis man einen (vermeintlichen) Missstand gefunden hat und widmet sich dann voll und ganz der Reparatur dieser einen Stelle. Vester nennt das auch „Reparaturdienstverhalten“. Die große Linie (sofern es eine gibt), gerät dabei leicht aus dem Blickfeld.
2. Fehler: Beschränkung auf Ausschnitte der Gesamtsituation
Es werden zwar große Datenmengen gesammelt, lange Listen erstellt, aber die Beziehung der Daten zueinander wird nicht thematisiert, die Dynamik des Systems bleibt daher unerkannt.
3. Fehler: Einseitige Schwerpunktbildung
Wird ein Schwerpunkt richtig erkannt, neigt man dazu, sich darauf zu versteifen. Gravierende Konsequenzen in anderen Bereichen bleiben unbeachtet. Das führt uns direkt zum
4. Fehler: Unbeachtete Nebenwirkungen
Im Streben nach geeigneten Maßnahmen zur Systemverbesserung geht man sehr „zielstrebig“ vor, geradlinig nach einem ziemlich einfachen Ursache-Wirkung-Denken. Diese eindimensionale Sicht verstellt den Blick auf die (nicht thematisierten) Nebenwirklungen jeder Maßnahme, die nicht analysiert werden, jedoch später für unliebsame Überraschungen sorgen.
5. Fehler: Tendenz zur Übersteuerung
Häufig geht man zu Beginn nur zögerlich vor – und es tut sich nichts, das System zeigt keine Reaktion. Nur allzu menschlich, dass man dann kräftig eingreift. So kommt es auch zu unerwünschten Rückwirkungen und man steigt kräftig auf die Bremse.
6. Fehler: Tendenz zu autoritärem Verhalten
Die Macht, ein System verändern zu dürfen und der Glaube, es durchschaut zu haben, führen zu diktatorischem Verhalten. Für komplexe System ist das aber ungeeignet, nur ein – wie Vester es nennt – „anschmiegsames Verhalten“ mit wohl dosierten Eingriffen (und der nötigen Zeit, diese wirken zu lassen), führt langfristig zu Erfolg.
Das Experiment von „Tanaland“ hat stets nach vorübergehenden Verbesserungen zu Katastrophen und Hungersnöten in der virtuellen Gesellschaft geführt. So schlimm wird es in Österreich nicht kommen, auch wenn aus wahltaktischen Überlegungen übereilt so manches Wahlzuckerl noch vor dem 28.9. umgesetzt werden sollte.
Doch man darf jetzt schon gespannt sein, auf welche Bremse die „Wachtelei-Koalition“ steigen wird, sollte die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel tatsächlich halbiert werden und die Erfinder dieser Maßnahme dann drauf kommen, dass dadurch die Preise nicht nachhaltig gesenkt wurden, die Inflation weiter hoch bleibt, dem Staat aber das Geld für andere – vernünftigere – Maßnahmen fehlt.
Ein Blick auf die aktuellen Wahlversprechen bringt mir die „Lehren von Tanaland“ in Erinnerung, die der deutsche Kybernetiker Frederic Vester schon vor über 20 Jahren beschrieben hat (Vgl. „Neuland des Denkens“, dtv, 1984). „Tanaland“ war ein frühes Computer-Simulationsspiel (entwickelt in den 70er-Jahren vom Bamberger Psychologen Dietrich Dörner), in dem Versuchspersonen unterschiedlicher Fachrichtungen in eine virtuelle Gesellschaft eingreifen konnten. Sie konnten Infrastruktur beeinflussen, Medizin- und Bildungssysteme verändern, bestimmen, welche landwirtschaftlichen Produkte angebaut werden und so fort. Inzwischen gibt es ja dutzende solcher Spiele für den Hausgebrauch.
Sechs Fehler wurden bereits damals als typisch für menschliches Verhalten identifiziert. Und es ist durchaus lehrreich, die aktuellen Versprechen (Mehrwertsteuersenkung, Abschaffung der Studiengebühren oder – diese Forderung schafft besonders viele „Punkte“ – staatliche Regelung des Benzinpreises) nach diesen Kriterien zu analysieren.
1. Fehler: Mangelhafte Zielerkennung
Man neigt dazu, ein System „abzugrasen“ bis man einen (vermeintlichen) Missstand gefunden hat und widmet sich dann voll und ganz der Reparatur dieser einen Stelle. Vester nennt das auch „Reparaturdienstverhalten“. Die große Linie (sofern es eine gibt), gerät dabei leicht aus dem Blickfeld.
2. Fehler: Beschränkung auf Ausschnitte der Gesamtsituation
Es werden zwar große Datenmengen gesammelt, lange Listen erstellt, aber die Beziehung der Daten zueinander wird nicht thematisiert, die Dynamik des Systems bleibt daher unerkannt.
3. Fehler: Einseitige Schwerpunktbildung
Wird ein Schwerpunkt richtig erkannt, neigt man dazu, sich darauf zu versteifen. Gravierende Konsequenzen in anderen Bereichen bleiben unbeachtet. Das führt uns direkt zum
4. Fehler: Unbeachtete Nebenwirkungen
Im Streben nach geeigneten Maßnahmen zur Systemverbesserung geht man sehr „zielstrebig“ vor, geradlinig nach einem ziemlich einfachen Ursache-Wirkung-Denken. Diese eindimensionale Sicht verstellt den Blick auf die (nicht thematisierten) Nebenwirklungen jeder Maßnahme, die nicht analysiert werden, jedoch später für unliebsame Überraschungen sorgen.
5. Fehler: Tendenz zur Übersteuerung
Häufig geht man zu Beginn nur zögerlich vor – und es tut sich nichts, das System zeigt keine Reaktion. Nur allzu menschlich, dass man dann kräftig eingreift. So kommt es auch zu unerwünschten Rückwirkungen und man steigt kräftig auf die Bremse.
6. Fehler: Tendenz zu autoritärem Verhalten
Die Macht, ein System verändern zu dürfen und der Glaube, es durchschaut zu haben, führen zu diktatorischem Verhalten. Für komplexe System ist das aber ungeeignet, nur ein – wie Vester es nennt – „anschmiegsames Verhalten“ mit wohl dosierten Eingriffen (und der nötigen Zeit, diese wirken zu lassen), führt langfristig zu Erfolg.
Das Experiment von „Tanaland“ hat stets nach vorübergehenden Verbesserungen zu Katastrophen und Hungersnöten in der virtuellen Gesellschaft geführt. So schlimm wird es in Österreich nicht kommen, auch wenn aus wahltaktischen Überlegungen übereilt so manches Wahlzuckerl noch vor dem 28.9. umgesetzt werden sollte.
Doch man darf jetzt schon gespannt sein, auf welche Bremse die „Wachtelei-Koalition“ steigen wird, sollte die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel tatsächlich halbiert werden und die Erfinder dieser Maßnahme dann drauf kommen, dass dadurch die Preise nicht nachhaltig gesenkt wurden, die Inflation weiter hoch bleibt, dem Staat aber das Geld für andere – vernünftigere – Maßnahmen fehlt.
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