Dienstag, November 11, 2008

Filmtipp: In die Welt


Heute in einer Woche hat In die Welt Premiere im Wiener Filmcasino. Der Dokumentarfilm zum Thema Geburt von Constantin Wulff lief bereits erfolgreich bei der VIENNALE und erhielt nun bei der Duisburger Filmwoche den 3Sat-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm 2008.

IN DIE WELT ist das bewegende Portrait einer Geburtsklinik in Wien. Gedreht in der Semmelweis-Klinik gibt der Dokumentarfilm einen faszinierenden Einblick in das Drama, den Schmerz und die Schönheit des In-die-Welt-Kommens.
In ihrer ganzen Intensität und Unterschiedlichkeit wird das alltägliche Wunder der Geburt mit den Mitteln des Direct Cinema gezeigt und verbunden mit dem Zyklus der begleitenden Abläufe im Krankenhaus. Eine Chronik vom Beginn des Lebens – und dessen Organisation.
IN DIE WELT ist ab 21.11.08 österreichweit in folgenden Kinos zu sehen:
Wien: Filmcasino und Village Cinemas 3, in Graz: KIZ, in St.Pölten: Cinema Paradiso sowie in Linz: Moviemento.
Ab 28.11.08 auch in Klagenfurt: Volkskino
Ab 29.11.08 in Innsbruck: Leokino
Ab 5.12.08 in Salzburg: Das Kino

Freitag, Oktober 31, 2008

Rapper

Just cool. :-)

Client: Holiday Inn Express
Title: Rapper
Agency: Fallon, Minneapolis
Production Company: Go Films, New York
Director: Simon McQuoid

Sarah Palin

Dirty Campaigning ist ja nicht meine Sache, aber als ich eben über dieses Video "stolperte", konnte ich es beinahe nicht glauben.

Agency: Goodby Silverstein & Partners, San Francisco
Creative Director: Jamie Barrett
Copywriters: Sarah Palin, Jamie Barrett, Craig Mangan, Rafi Kugler,
Producer/Editor of news footage: Timothy Plain
Production Company: Biscuit Filmworks USA, Los Angeles
Director: Clay Weiner

Donnerstag, Oktober 30, 2008

Girona

Mal was völlig anderes. Im Kurzurlaub in Spanien war ich eher zufällig auch in Girona und netter Weise grad rechtzeitig zu den Fires de Sant Narcís.

Die Correfocs muss man erlebt haben. Zwei Stunden ziehen unendlich viele Menschen durch die dunklen engen Gassen (die Beleuchtung wird ausgeschalten) während ihnen von allen möglichen Seiten Feuerwerke - montiert auf einer Art Knallfrosch-Rad - um die Ohren sausen. In Österreich wäre das wahrscheinlich verboten, in Catalunya ist es eine Tradition und macht richtig Spaß. Am Ende gibt es ein großes Abschlusskonzert mit extra Feuershow und Feuerwerk, wobei die unglaublichsten feuerspeienden Konstruktionen zum Einsatz kommen. Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei, daher nur ein Handy-Foto.




Dieses Video hab ich dazu gefunden, wobei "miguelausa" mit seiner Camera etwas weit weg vom Geschehen war, im letzten Jahr. Man muss schon etwas näher ran, wenn man richtig Spaß haben will.






Am nächsten Tag die nächste Tradition, ein Wettbewerb verschiedener Gruppen aus unterschiedlichen Teilen Catalunyas, wer das schönste Castell, den schönsten, höchsten elegantesten menschlichen Turm zustande bringt. Dabei kommte es nicht nur auf Form und Höhe an, sondern es geht auch darum, die Castells geordnet wieder abzubauen, bevor einem/r TeilnehmerIn die Kraft ausgeht und der Turm stürzt. Nicht ungefährlich, aber sehr beeindruckend.
Mehr dazu hier (in Catalan, dafür mit Videos): Bloc Pell Castellera.

PS: Weil ich gefragt wurde: Die Leute stehen nicht auf einer Bühne, die unterste sichtbare Gruppe von Menschen steht bereits auf den Schultern von noch mehr Leuten eine Ebene darunter.

Mittwoch, Oktober 22, 2008

Kultur. Plakat und CEE

Oktober heißt Hektik und Stress, mein Blog kommt wieder mal zu kurz. Zwei Updates in aller Kürze dennoch, sie liegen mir am Herzen.

1. Montag, Pressekonferenz mit der IG Kultur und dem Verein Freies Plakat. Thema war der seit bald einem Jahr andauernde Plakatstreit in Wien. Die zentrale Forderung lautet auf ein adäquates Angebot an kleine(re) Kulturinitiativen, um ihre Produktionen im öffentlichen Raum ankündigen zu können und - das ist mir besonders wichtig - faire, transparente Marktbedingungen für Ankündigungsunternehmen in Wien. Hier haben wir es mit einem Hegemonieanspruch der marktbeherrschenden Gewista zu tun und einem System, das allen anderen Marktteilnehmern den Zugang zum Markt erschwert bis nahezu unmöglich macht. Besonderer Skandal: Während die einen - ehemaligen - Wildplakatierer mit der Firma Kultur:Plakat unter tatkräftiger Hilfe der Stadt Wien und der Gewista eine Monopolstellung erhielten, werden andere im Doppelpass von Gewista und Stadt kriminalisiert. Wir fordern daher, dass die Anzeige der Stadt Wien gegen den Unternehmer Peter Fuchs sofort zurück genommen wird und statt dessen endlich die seit beinahe einem Jahr verweigerten Gespräch für eine faire Lösung für den Wiener Markt für die Ankündigung von Kulturveranstaltungen aufgenommen werden. Erste Reaktionen darauf lassen aber vermuten, dass die Stadt Wien weiter auf stur schalten wird, man ist nach wie vor nicht bereit, sich mit den betroffenen Unternehmen und Kulturinitiativen an einen Tisch zu setzen.
Eine detaillierte Dokumentation dieser Geschichte kommunaler Ignoranz findet sich auf der Website des Vereins Freies Plakat.

2. Morgen, Donnerstag: Euroforum Communication mit Berichten über die Kommunikationsmärkte in Bulgarien, Rumänien und Moldawien. Die Vernetzung österreichischer Werbefirmen mit Partnern in CEE-Ländern ist mir seit Jahren ein Anliegen. Es ist mir gelungen, mit dem Fachverband Werbung und Marktkommunikation als erste Dienstleistungsbranche kontinuierliche Aktivitäten im Rahmen der go-international-Initiative von WKO und Wirtschaftsministerium zu setzen. Gemeinsam mit der AWO, der Außenwirtschaftsorganisation der WKO dokumentiert der Fachverband einen CEE-Werbemarkt nach dem anderen. Die Initiative war nicht ganz einfach durchzusetzen, hatte doch der Fachverbandsausschuss zu Beginn kein Einsehen in die Notwendigkeit solch einer Initiative. Ich bin jedoch fest überzeugt, dass nur eine europäische Perspektive den Standort Österreich nachhaltig absichern kann. Das geschieht aber nicht durch schöne Sonntagsreden zu Feiertagen, sondern durch konkrete Projekte im Rahmen einer nachhaltigen Strategie. Deshalb runden wir die Informationsangebote in Zusammenarbeit mit der Wiener Fachgruppe durch konkrete Veranstaltungen ab, in deren Rahmen interessierte Firmen aus Österreich mit potentiellen Partnern aus den Ländern Zentral- und Osteuropas ins Gespräch und ins Geschäft kommen können. Die Veranstaltung morgen ist ausgebucht, ein schöner Beleg für die Nachfrage nach solchen Aktivitäten. Und eine Bestätigung dafür, dass man der xenophoben Stimmung, die Österreich leider viel zu sehr prägt, mit ganz konkreten Beiträgen auch positive Ansaätze verfolgen und zum Erfolg führen kann.

Montag, Oktober 13, 2008

Golden Drum

Nun - bevor ich weitermache, Stück für Stück einzelne Spots und Eindrücke aus Portoroz zu verarbeiten, endlich auch ein kurzes zusammenfassendes Statement.
2008 präsentierte sich das Festival im Vergleich zum Vorjahr etwas weniger aufwändig organisiert. Die Qualität der Beiträge war unverändert hoch, bei den Präsentationen im Rahmen des begleitenden Kongresses setzten die Veranstalter diesmal jedoch verstärkt auf Agentur- bzw. Network-Präsentationen, weniger auf Network-übergreifende Panels. Dennoch gab es viele interessante Vorträge zu hören und gute Werbung zu sehen. Österreichische Beiträge schnitten auch heuer wieder sehr gut ab. Unter den Top 5 Agenturen landeten gleich zwei Agenturen aus Österreich, Demner, Melicek, Bergmann an vierter, Lowe GGK an fünfter Stelle. Was mich besonders freut: Die Agentur Sery aus Linz (Angelika Sery ist Obfrau der Fachgruppe Werbung OÖ und Mitglied im Fachverbandsausschuss) gewann mit dem Sujet "Permanent Marker" eine Golden Drum in der Kategorie OpenAd Big Idea Competition.
Weniger erfreulich das eher verhaltene Interesse aus Österreich, was den Festivalbesuch und - vor allem - die Presse betrifft. Gerade ein einziger Journalist aus Österreich hatte sich nach Portoroz "verirrt", die gesamte österreichische Fachpresse glänzte beim größten Werbefestival für die CEE-Region und damit einem der wichtigsten Werbeevents für Österreich durch Abwesenheit. Auch viele österreichische Preisträger ließen sich die Preise von anderen (mehr oder minder zufällig anwesenden) Festivalbesuchern nach Österreich mitbringen. Dass es aber prämierte Agenturen nicht Wert finden, bei der Gala zu erscheinen und ihre Auszeichnung selbst abzuholen, hat für viel Kopfschütteln gesorgt. Die Abwesenheit der österreichischen Fachpresse (aus anderen Ländern kamen ganze Delegationen angereist) wurde ebenfalls mit Verwunderung registriert. Kein anderes Land (es kamen Teilnehmer aus 38 Ländern) hat dem Festival so die kalte Schulter gezeigt.
Jene Österreicher hingegen, die ich vor Ort traf, freuten sich über die Möglichkeit, gute Kontakte zu knüpfen. Kontakte, die sich bei jenen Firmen, die schon öfters da waren, durchaus in wachsendem wirtschaftlichen Erfolg in den dynamischen Märkten der EU-Beitrittsländer niederschlägt.

Wer Versäumtes nun nachholen will: Alle Preisträger des Festivals sind hier nachzulesen und zu sehen.

Fast Driver

Draft FCB Kobza holte in Portoroz eine Silver Drum für den Spot Fast Driver im Auftrag des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Wenige Stunden später erhielt das Thema durch den tödlichen Unfall Jörg Haiders unheimliche Aktualität. Ich habe seither lange überlegt, ob ich diesen Zusammenhang überhaupt posten soll. Es gibt sicher wesentlich wichtigere Dinge, die nun abzuhandeln sind. Und ich hoffe, es wird mir auch von niemandem als Pietätlosigkeit ausgelegt, so ist es nämlich sicher nicht gemeint. Aber - neben all den anderen Dingen - der Spot, der mir davor schon unter die Haut ging, fällt mir seither ständig ein.

Sonntag, Oktober 12, 2008

Wind, useful

Der TV-Spot des deutschen Windenergie-Unternehmens Epuron konnte zwar am Wettbewerb in Portoroz nicht teilnehmen, der Film der Hamburger Agentur Nordpol fand aber dennoch sein Publikum. Durch zahlreiche Preise (Gold in Cannes, beim ADC, in New York und Montreux) ausgezeichnet, präsentierte ihn Donald Gunn in seiner Präsentation als einen Beitrag "we will not forget from 2008". Und Julian Boulding präsentierte Nordpol als eine der besten Agenturen in seinem Network unabhängiger Agenturen, thenetworkone.
Ich suche ihn hier jedoch auch und vor allem deswegen aus, weil er sich dem Thema Windenergie von völlig anderer, überraschender Seite nähert, sein Publikum berührt und einer sonst sperrigen, mit vielen Zahlen und Öko-Argumenten präsentierten Sache eine emotionale Dimension verleiht. Werbung, wie sie sein soll.

Patagonia - Footprint

Ich hätte nicht unbedingt erwartet, vom Golden Drum-Festival Ideen für Umweltschutz mitzunehmen. Doch Paul Kemp-Robertson vom Contagious Magazine brachte ein Beispiel für innovatives Marketing, das meine beiden Leidenschaften - nachhaltige Wirtschaft und gutes Marketing - vereint:
Patagonia, amerikanischer Hersteller von Outdoor-Kleidung, hat die bisher wahrscheinlich kompletteste Umsetzung des Footprint-Gedankens in seinem Marketing. Auf der Website ist zu jedem Produkt jeder Produktionsschritt genau dokumentiert. Patagonia nimmt das Interesse seiner Kunden (genauzu wissen, was man am Leib trägt) ernst wie meines Wissens bisher kein anderer Anbieter am Markt - und hat Erfolg damit.

Mittwoch, Oktober 08, 2008

Google-Solar

Günter Strobl macht am Ökoenergie-Blog auf Google aufmerksam. Auf dem Dach der Konzernzentrale sind 1,5 MW Solarpanele installiert. Mit Bild in Google-Earth. Schön anzusehen.

Dienstag, Oktober 07, 2008

Sammel-Posting

Nein, ich hab den Blog nicht aufgegeben, nur hatte ich einfach keine Zeit, die letzten zwei Wochen. Inzwischen ist so viel passiert, dass ich gar nicht weiß, wo anfangen. Also "delegiere" ich.
Zum Wahlergebnis wurde schon jede Menge geschrieben. Nur ein Satz: Begeistert bin ich nicht, überrascht allerdings auch nicht. Schon am 29. September hat Helge auf seinem Blog eine lesenswerte Analyse zum Abschneiden der Grünen geliefert, die ich hier nachreiche.
Anschliessen möchte ich mich auch dem Dank an Alexander van der Bellen, da hat mir Christoph Chorherr aus der Seele gesprochen.
Von den Tagen vor der Wahl - eigentlich wollte ich ja noch mehr über die Medienmesse berichten - nur so viel: Während manche Aussteller sich über mangelnden Zulauf beklagten, hatten wir drei Tage lang volles Haus. Danke an unsere Mitaussteller Die Graphische, Fachhochschule St. Pölten, Universitätslehrgang Werbung und Verkauf, Werbeakademie sowie die Medienbeobachter/Firma Observer und das Marktforschungsinstitut Mindtake. Auch die Zusammenarbeit mit dem Fachverband Telekom, mit dem wir unsere Medienpolitischen Forderungen vorstellten und mit der AWO, die Marktreports über die Kommunikationsmärkte in Tschechien, Slowakei, Ungarn und Slowenien präsentierte, war sehr positiv, ich freu mich auf künftige Kooperation. Und der Workshop, den wir mit der EACA zum Thema verantwortungsvolle Werbung am Beispiel Alkoholwerbung ausrichteten - immerhin eine Europapremiere - hat ebenfalls sehr positives Echo ausgelöst. (Eigentlich kein Wunder, dass ich keine Zeit mehr fand, über all die Aktivitäten zu berichten.)
Morgen geht es nach Portoroz, zum Golden Drum Festival. Ich freu mich auf gute Werbung aus ca. 40 europäischen Ländern - und nehme mir vor, künftig wieder regelmäßiger zu posten.

Dienstag, September 23, 2008

Medienmesse 1

Mittwoch beginnt die Medienmesse, der Fachverband ist wieder mit einem Messestand vertreten. Besonders freut mich, dass wir wieder Ausbildungsinstitutionen mit dabei haben. Die FH St. Pölten, die Wiener Werbeakademie, die Graphische und der Lehrgang für Werbung und Verkauf der WU Wien präsentieren sich und ihre Arbeit. Dabei haben sie sich einiges für die nächsten drei Tage einfallen lassen. Man darf gespannt sein.
Seitens des Fachverbandes wird der Donnerstag der wichtigste Tag mit intensivem Programm. Wir präsentieren die Forderungen an die künftige Bundesregierung (dazu haben sich Vertreter der meisten Parlamentsparteien - bis auf die SPÖ - angesagt), werfen einen Blick auf die Werbemärkte vor unserer Haustür und diskutieren das Thema Selbstregulierung in der Werbung und verantwortungsbewusste Werbung (am Beispiel Alkohol) in Zusammenarbeit mit dem europäischen Dachverband EACA.
Eine Übersicht über das Programm hier. Weitere Berichte folgen in den nächsten Tagen.

Sonntag, September 21, 2008

Öko-Film 2

Es sind eine Reihe von Beiträgen zusammen gekommen beim Öko-Film-Wettbewerb von OKTO und der Ökostrom AG. Die Top 10 sind bereits in der Online-Auslage zu sehen. Der Sieger wird am 9. Oktober im Rahmen des großen Finales im WUK gekührt. Neben den Filmen gibt es Live Acts (Savoir Vivre, Rauherz) sowie an den Turntables DJ Christian Schachinger.

Mittwoch, September 17, 2008

Internationale Kooperation macht erfolgreich

Ich sag es ja schon immer: Interkulturelle Zusammenarbeit fördert die Kompetenz und macht erfolgreich. Eine Studie hat das nun für den Filmsektor nachgewiesen. Internationale Koproduktionen reüssieren besser am Markt. Details dazu findet man hier.

Dienstag, September 16, 2008

Ökoenergie

Heute ist mein erster Beitrag im Ökoenergie-Blog erschienen. Raiffeisen Leasing hat mich eingeladen, ab nun regelmäßig Beiträge für dieses neue Forum zu schreiben. Ich bin der erste externe Autor, der eingeladen wurde und ich habe diese Einladung mit Freude angenommen. Mein erster Beitrag führt in den Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments.
Die Energiewende ist die große Herausforderungen, der wir uns stellen müssen. Dazu braucht es Umdenken und Aktionen auf sehr viel verschiedenen Ebenen. Sehr konkret und anschaulich gelingt das immer wieder Christoph Chorherr, der kürzlich unter die Video-Blogger gegangen ist. Anschauen.

Sonntag, September 14, 2008

Wahlkampf in Tanaland

Die Wahl rückt näher und wie immer versuchen die Parteien, einander mit Wahlzuckerln zu überbieten. Die Kosten sind längst ausgerechnet und es sollte allen klar sein, dass nur ein Bruchteil dieser Geschenke finanzierbar ist. Oder man muss das Geld halt wo anders rein holen. Darüber wurde zwar schon in allen Medien sehr viel geschrieben, Spuren in den Wahlkampfzentralen hat das aber nicht hinterlassen.

Ein Blick auf die aktuellen Wahlversprechen bringt mir die „Lehren von Tanaland“ in Erinnerung, die der deutsche Kybernetiker Frederic Vester schon vor über 20 Jahren beschrieben hat (Vgl. „Neuland des Denkens“, dtv, 1984). „Tanaland“ war ein frühes Computer-Simulationsspiel (entwickelt in den 70er-Jahren vom Bamberger Psychologen Dietrich Dörner), in dem Versuchspersonen unterschiedlicher Fachrichtungen in eine virtuelle Gesellschaft eingreifen konnten. Sie konnten Infrastruktur beeinflussen, Medizin- und Bildungssysteme verändern, bestimmen, welche landwirtschaftlichen Produkte angebaut werden und so fort. Inzwischen gibt es ja dutzende solcher Spiele für den Hausgebrauch.

Sechs Fehler wurden bereits damals als typisch für menschliches Verhalten identifiziert. Und es ist durchaus lehrreich, die aktuellen Versprechen (Mehrwertsteuersenkung, Abschaffung der Studiengebühren oder – diese Forderung schafft besonders viele „Punkte“ – staatliche Regelung des Benzinpreises) nach diesen Kriterien zu analysieren.

1. Fehler: Mangelhafte Zielerkennung
Man neigt dazu, ein System „abzugrasen“ bis man einen (vermeintlichen) Missstand gefunden hat und widmet sich dann voll und ganz der Reparatur dieser einen Stelle. Vester nennt das auch „Reparaturdienstverhalten“. Die große Linie (sofern es eine gibt), gerät dabei leicht aus dem Blickfeld.

2. Fehler: Beschränkung auf Ausschnitte der Gesamtsituation
Es werden zwar große Datenmengen gesammelt, lange Listen erstellt, aber die Beziehung der Daten zueinander wird nicht thematisiert, die Dynamik des Systems bleibt daher unerkannt.

3. Fehler: Einseitige Schwerpunktbildung
Wird ein Schwerpunkt richtig erkannt, neigt man dazu, sich darauf zu versteifen. Gravierende Konsequenzen in anderen Bereichen bleiben unbeachtet. Das führt uns direkt zum

4. Fehler: Unbeachtete Nebenwirkungen
Im Streben nach geeigneten Maßnahmen zur Systemverbesserung geht man sehr „zielstrebig“ vor, geradlinig nach einem ziemlich einfachen Ursache-Wirkung-Denken. Diese eindimensionale Sicht verstellt den Blick auf die (nicht thematisierten) Nebenwirklungen jeder Maßnahme, die nicht analysiert werden, jedoch später für unliebsame Überraschungen sorgen.

5. Fehler: Tendenz zur Übersteuerung
Häufig geht man zu Beginn nur zögerlich vor – und es tut sich nichts, das System zeigt keine Reaktion. Nur allzu menschlich, dass man dann kräftig eingreift. So kommt es auch zu unerwünschten Rückwirkungen und man steigt kräftig auf die Bremse.

6. Fehler: Tendenz zu autoritärem Verhalten
Die Macht, ein System verändern zu dürfen und der Glaube, es durchschaut zu haben, führen zu diktatorischem Verhalten. Für komplexe System ist das aber ungeeignet, nur ein – wie Vester es nennt – „anschmiegsames Verhalten“ mit wohl dosierten Eingriffen (und der nötigen Zeit, diese wirken zu lassen), führt langfristig zu Erfolg.

Das Experiment von „Tanaland“ hat stets nach vorübergehenden Verbesserungen zu Katastrophen und Hungersnöten in der virtuellen Gesellschaft geführt. So schlimm wird es in Österreich nicht kommen, auch wenn aus wahltaktischen Überlegungen übereilt so manches Wahlzuckerl noch vor dem 28.9. umgesetzt werden sollte.

Doch man darf jetzt schon gespannt sein, auf welche Bremse die „Wachtelei-Koalition“ steigen wird, sollte die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel tatsächlich halbiert werden und die Erfinder dieser Maßnahme dann drauf kommen, dass dadurch die Preise nicht nachhaltig gesenkt wurden, die Inflation weiter hoch bleibt, dem Staat aber das Geld für andere – vernünftigere – Maßnahmen fehlt.

Donnerstag, September 11, 2008

Vielfalt vereint

Kompliment an Simon Inou und sein Team von M-Media für die gelungene Premiere der Medien Messe Migration. Fast 40 Aussteller und interessante Diskussionen zeigen ein lebendiges Bild einer zunehmend selbstbewussten Medienlandschaft, die von Menschen mit Migrationshintergrund gemacht wird. Es ist gelungen, dieses Segment der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und es ist ein sehr positives, dynamisches Bild, das ich heute zu sehen bekam. Kurz: Ich hab heute eine Reihe toller Menschen kennen gelernt.
Schön wäre gewesen, dieses Bild auch bei der „großen“ Medienmesse übernächste Woche zu zeigen, doch das ist heuer – noch – nicht gelungen.(1) Aber auch so noch einmal: Gratulation.
Ich konnte die Veranstaltung nutzen, um in einer Arbeitgruppe das Thema Diversity Marketing (im Sinne einer umfassenden Marketingstrategie, die verschiedene Teilöffentlichkeit spezifisch anspricht) zu diskutieren und da werden wir bald mit einem eigenen Projekt an die Öffentlichkeit treten. Dazu in einigen Wochen mehr, wenn wir startbereit sind.
Morgen gibt es noch einen Tag mit spannendem Programm (10:30h: Finanzierung von MigrantInnen-Medien, 13h: Mentoring-Programme, 15:30h: MigrantInnen in österreichischen Medien).

Medien.Messe.Migration
Hörsaalzentrum am Campus der Uni Wien 

Altes AKH: Spitalgasse 2/Hof 2
1090 Wien

Montag, September 08, 2008

Fast wie erwartet, kann man sagen, ist gestern Volker Plass nicht auf die Bundesliste der Grünen für die NR-Wahl 08 gewählt worden. Immerhin, beim Rennen um Platz 6 ist er noch Dritter geworden – hinter den beiden Nationalräten Karl Öllinger und Bruno Rossmann. Man muss aber klar sehen, dass er dabei in Wirklichkeit nicht einmal in die Nähe eines Listenplatzes kam.
Schade, es hätte den Grünen gut getan, mehr Wirtschaftskompetenz auf die Liste zu setzen.
Unterm Strich muss man trotzdem zufrieden sein mit dem Ergebnis. Es wurden eine Reihe sehr interessanter, kompetenter Persönlichkeiten gewählt, neben erfahrenen MandatarInnen auch neue Gesichter.
Für eine grüne Wirtschaftspolitik und für die Gruppe der etwa 400.000 Ein-Personen- und Micro-Unternehmen werden wir uns als Grüne Wirtschaft dennoch weiterhin erfolgreich einsetzen. In der Wirtschaftskammer und als politische Kraft, die ihre Themen auch von außen in die parlamentarische Arbeit einbringen wird.

Dienstag, September 02, 2008

Medien Messe Migration


Es tut gut, wenn in Sachen „Ausländer“ auch mal positives zu berichten ist. Während vermeintlich staatstragende Parteien Ressentiments schüren (statt für interkulturelle Kompetenz zu werben) und die FPÖ drohend von „unseren Leut’“ spricht (und sich implizit die Interpretionshoheit zuschreibt, zu entscheiden wer dazugehört) gibt es in letzter Zeit immer mehr Projekte, in denen sich MigrantInnen selbst zu Wort melden. Sie wollen es nicht mehr den herkömmlichen Medien allein überlassen, über für sie wichtige Themen zu berichten. Am 11. Und 12. September findet nun im Alten AKH in Wien erstmals die Medien Messe Migration statt, die sich zum Ziel gesetzt hat, Medieninitiativen, ethnische PR sowie Marketingagenturen aus diesem Bereich vorzustellen und ihre Produkte bekannt zu machen.
Beinahe jedes fünfte Unternehmen in Wien ist laut einer Studie („Ethnische Ökonomien – Bestand und Chancen für Wien“ von L&R Social Research) der sogenannten „ethnischen Ökonomie“ zuzuordnen, d.h. dass (bei Kapitalgesellschaften) eine nennenswerte internationale Verflechtung vorhanden ist bzw. dass (bei Einzelunternehmen) der/die GründerIn (zum Zeitpunkt der Gründung) Nicht-ÖsterreicherIn war. Rechnet man österreichische UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund dazu, steigt der Anteil sogar auf 30 Prozent.
Höchste Zeit also, endlich auch einmal die Rolle von MigrantInnen als ArbeitgeberInnen, SteuerzahlerInnen und UnternehmerInnen zu thematisieren. Eines von mehreren Themen bei dieser Konferenzmesse.

Alpbach: ein später Nachtrag

Auch wenn es mittlerweile schon einige Tage her ist: zwei Punkte vom Wirtschaftsforum in Alpbach erscheinen mir noch erwähnenswert. Da sind zum einen Claus Raidls fünf Punkte, mit denen er die Krise der Marktwirtschaft beschreibt:

1. Die Einkommensverteilung läuft makro- und mikroökonomisch auseinander. Seinem Lösungsvorschlag (Mitarbeiterbeteiligung) kann man in vielen Bereichen sicher einiges abgewinnen. Lösungen braucht es aber auch für jene Bereiche, die nicht der Marktwirtschaft unterworfen sind (und auch nicht unterworfen werden sollen).

2. Leute, die fremdes Geld verwalten, haben zwar hohes Upgrade-Potenzial (in Form von Boni, Aktienoptionen u.ä.), doch kein – wie er es nennt – Down-Potenzial. Anders gesagt: Auch Manager in AGs, in Banken und Fonds müssen Risiko übernehmen.

3. Die „Gier der Umverteiler“ achtet laut Raidl nur darauf, wie groß die zu verteilenden Kuchenstücke sind, nicht wie der Kuchen wachsen soll. Auch dieser These kann man bedingt zustimmen – vorausgesetzt, man bezeichnet als „Umverteiler“ nicht ausschließlich ArbeitnehmervertreterInnen sondern auch Shareholder, denen der Quartalsgewinn eines Unternehmens wichtiger ist als die langfristige Lebensfähigkeit (strategische Ausrichtung und Standortsicherung) eines Unternehmens.

4. Den von Raidl postulierten „Verlust der Politik der Mitte“ kann man derzeit im Wahlkampf beobachten. Die VP rückt nach so weit nach rechts, dass es selbst der CSU unter Franz Josef Strauß schwindlig würde, während die SP ein Füllhorn ausschüttet (oder das zumindest verspricht), ohne zu überlegen, wie dieses zu füllen ist.

5. Am Interessantesten: Bei allem Lob für die Marktwirtschaft fordert Raidl für einige Bereiche streng(er)e Regeln, einen stärkeren Staat (bzw. multilaterale Spielregeln) und zwar in erster Linie für die Finanzmärkte. Er kritisiert, dass die Gewinne der Finanzwirtschaft jede der Realwirtschaft übersteigen. Soweit, dass er eine Tobin-Tax gefordert hätte, ging er in Alpbach nicht (eine Transaktionssteuer und Spekulationssteuer forderte dagegen Vizekanzler Molterer, wenngleich er sich da sehr vorsichtig im Konjunktiv ausdrückte). Raidl würde sich mit einer Produkthaftpflicht für Ratingagenturen begnügen. Das wäre zumindest mal ein Anfang. Eine Trendwende für eine gerechtere Marktwirtschaft wäre das noch nicht, doch Stoff für eine vernünftige Diskussion hat er mit seinen fünf Punkten sicher geboten. Allein: Eine konkrete Umsetzungschance scheint derzeit nicht in Sicht.

Der zweite Punkt ist ein Gedanke aus der Rede des deutschen Universitätsprofessors Paul Kirchhoff (bekannt u.a. für seine Forderung eines einheitlichen Steuersatzes von 25%). Er postuliert Freiheit als unverzichtbare Voraussetzung für eine funktionierende Marktwirtschaft. Die Freiheit, sich für seinen eigenen Weg, die eigene Lösung zu entscheiden. Sie führt zwangsläufig zu unterschiedlichen Lösungen, mit denen ein (wirtschaftliches) Ziel erreicht werden soll (Wettbewerb). Sein Rückschluss lautet dann schlicht: „Wer die Unterschiede nicht erträgt, erträgt die Freiheit nicht“. Und das ist ein Satz, der – gerade in Österreich – viel mehr Beachtung verdienen würde. Nicht nur in wirtschaftspolitischen Zusammenhängen.