Samstag, Jänner 31, 2009

Fehlentscheidung

Eine völlig unverständliche Fehlentscheidung haben die Grünen gestern getroffen, indem sie Johannes Voggenhuber nicht auf die Liste zur Europawahl nahmen. War noch einigermaßen verständlich, dass er sich nicht im Rennen um den ersten Listenplatz durchgesetzt hat - innerparteilich schwierig wie er ist - hat die gestrige Entscheidung, ihm überhaupt keinen Listenplatz anzubieten, mit politischem Verstand nichts mehr zu tun. Und schlimmer noch: damit sind die Grünen auf dem direkten Weg ins die poltische Bedeutungslosigkeit. Wenn es nicht gelingt, eine Persönlichkeit wie Johannes Voggenhuber einzubinden, wie soll es dann um die Politikfähigkeit gegenüber dem politischen Mitbewerb aussehen? Politik nur mit Menschen, mit denen man harmonisch in voller Eintracht agieren kann? Das kann ja wohl nicht ernst gemeint sein.
Es hat - auch von mir - genügend Stimmen gegeben, die vor dieser EBV-Sitzung für eine vernünftige Entscheidung appelliert haben. Aber der EBV (Erweiterte Bundesvorstand) hat diese Stimmen alle ignoriert.
Ehrlich: ich bin sehr sauer auf diese, meine Partei.

Dienstag, Jänner 27, 2009

Globale Finanzausrede

Nach mehreren Wochen Blogger-Pause hat mir die ZiB soeben den Anlass geliefert, endlich wieder mal auch hier aktiv zu werden. Die Krise erfordere – so sinngemäß Kanzler und Vizekanzler – nun auch ein Eingreifen in den Volkswirtschaften Zentral- und Osteuropas. Österreichs Banken seien ja der größte Kreditgeber in diesen Ländern und bei vielen Krediten könne man nun nicht sicher sein, dass die Gelder zurückgezahlt werden könnten. Es geht um 230 Milliarden Euro, 70 % des österreichischen BIP. Schon morgen wolle man darüber mit Kanzlerin Merkel verhandeln.
Nun also doch. Nachdem man ja erst offiziell gemeint hatte, Österreichs Banken seien gar nicht so sehr betroffen, weil nicht in dem Maß in riskanten Derivatmärkten engagiert, hatte man dann doch – quasi vorbeugend – ein 100-Milliarden-Paket geschnürt. Und nun reicht das offenbar auch nicht mehr. Jetzt muss noch mehr geholfen werden.

Überhaupt ist derzeit Aktionismus angesagt in der Regierung. Kein Tag vergeht, ohne dass irgendeine Maßnahme angekündigt wird. Plan scheint dabei keiner vorhanden zu sein. Die Verschrottungsprämie für Altautos hilft am allerwenigsten der österreichischen Wirtschaft, päppelt aber das Gemüt von Herrenfahrern auf. Und nun soll also österreichisches Steuergeld für den osteuropäischen „Kreditschock“ verwendet werden.
Kein Wort allerdings auch diesmal von irgendwelchen Konsequenzen im bzw. mit System. Ein kurzer Vergleich: Auch Obama hilft „seinen“ US-Banken, kündigt aber zugleich wesentlich strengere Regeln für die Finanzbranche an.

Es ist, als würde diese globale Finanz- und Wirtschaftskrise wie in Zeitlupe an uns vorüberziehen. Keiner redet gern darüber, doch hinter der Hand sagt jeder die nächsten Schritte voraus. Z.B.: Wie lange wird es wohl noch dauern, bis wir den Kreditkartenunternehmen helfen müssen?

Ulrich Krystek, Professor an der FH Worms, befasst sich seit Jahrzehnten mit der Genese und dem Ablauf von Krisen und den Möglichkeiten, ihnen zu begegnen. Vereinfacht dargestellt, teilt er sie in diese vier Phasen:
1. Die potentielle Krise oder den Normalzustand. Hier sollten mögliche Krisenherde identifiziert und langfristige Strategien danach ausgerichtet werden.
2. Die Frühphase, in der erste Auswirkungen sichtbar werden. Geeignete Strategien können den Ausbruch der totalen Krise noch verhindern. In dieser Phase stehen noch viele Handlungsalternativen offen, der Entscheidungsdruck ist noch gering.
3. Die akute Phase, in der bereits die zerstörerische Wirkung der Krise sichtbar wird. Zeit- und Entscheidungsdruck nehmen zu, Handlungsspielräume werden enger. Trotzdem kann noch immer gegengesteuert und die Krise bewältigt werden.
4. In der Finalphase gerät das Geschehen außer Kontrolle, der Zeitdruck wird immer größer, getroffene Maßnahmen verpuffen, die Krise ist kaum noch zu steuern und die Ziele geraten außer Reichweite.

Gemessen an den spürbaren Auswirkungen in der Realität, befinden wir uns an sich nach dieser Kategorisierung in Phase 2. (All jene, die große Verluste an der Börse hinnehmen mussten, mehr noch aber jene, die bereits von Kurzarbeit betroffen sind oder gar ihren Job verloren haben, mögen mir diese Einschätzung verzeihen.) Doch ohne eine klare Perspektive – und die ist in der Regierungspolitik nicht erkennbar – wird es bald enger werden. Dabei wäre die Finanzkrise – würde sie nicht nur als Ausrede für blinden Aktionismus und Klientelpolitik genutzt – ein Anlass, auch endlich die wesentlich bedrohlichere Krise mit beherzter Politik anzugehen: die Klimakrise. Die Pläne dafür gibt es und sie wären – mit Kosten von weniger als 1% des globalen BIB – auch leichter finanzierbar als der osteuropäische „Kreditschock“.

Dienstag, Dezember 23, 2008

Mein Halbes Leben - Premierenkarten

Am 1.1.2009 hat der Film MEIN HALBES LEBEN Premiere im Filmcasino. Regisseur Marko Doringer bricht zu einer sehr persönlichen Forschungs-Reise auf: Er ist 30, hat nichts erreicht was zählt und soeben den ersten Backenzahn verloren. Was kann jetzt noch kommen, bevor es vorbei ist? Marko besucht alte Freunde und Freundinnen, seine und deren Eltern. Geht es ihnen besser als ihm? Warum ist es so schwer, 30 zu sein? Und warum ist es so schwer, das Glück der anderen zu akzeptieren?
„Mein Halbes Leben“ ist das „herrlich komische“ (Der Tagesspiegel/Berlin) Selbstportrait einer Generation, ein wahrer Entwicklungsroman zu unserer Gegenwart – und zu Markos Zukunft.
Im Anschluss an die Premiere gibt die Band Les Hommes Sauvage, von der die Filmmusik stammt, ein Premierenkonzert im Chelsea.
Ich habe 2 x 2 Karten zu vergeben, für Premiere und Konzert.
Interessierte schicken mir einfach ein Mail an p.droessler(at)chello.at. Am Abend des 29.12. werde ich eine kleine Verlosung unter allen EinsenderInnen machen, die GewinnerInnen auf die Gästeliste setzen und per Mail verständigen.
(Update 29.12., 20h: Danke. Die GewinnerInnen sind verständigt.)

Frohe Weihnachten.

Mittwoch, Dezember 10, 2008

Story of Stuff


Die Free Range Studios sind schon länger weltweit bekannt für origielle und unterhaltsame Vermittlung ökologischer Inhalte. Klassiker des Unternehmens sind z. B. Storewars, eine Bio-Food-Persiflage des Science-Fiction-Klassikers oder The Meatrix.
Nun ist der viel beachtete Film der Kreativschmiede zum Thema Stoffkreislauf und Recycling, The Story of Stuff, auch mit deutschen (sowie wahlweise auch arabischen, niederländischen, französischen, hebräischen, chinesischen - mandarin, portugiesischen, spanischen und thailändischen) Untertiteln erschienen.
Im Detail wohl an manchen Stellen etwas "amerikanisch" doch auf alle Fälle Wert, sich 20 Minuten Zeit zu nehmen und den Film anzusehen. Denn: Ja, wir alle wissen es - aber es verdrängt sich so leicht im Alltag.

Dienstag, Dezember 09, 2008

10.12.08: 60 Jahre Menschenrechte

Morgen jährt sich zum 60. Mal die Erklärung der Menschenrechte. Ein Grund, sich wieder einmal damit zu befassen, wie auch dieses Video zeigt.
Leider lässt sich das Video nicht einbetten, daher ein Link:
Was sind Menschenrechte?

Mittwoch, Dezember 03, 2008

Freie Medien am 9.12.


Pluralität und medienkulturelle Vielfalt sind am 9.12. Thema beim 1. Tag der Freien Medien im Fluc. Mit Infoständen, Präsentationen und Filmbeiträgen wenden sich Medien wie The GAP, Okto, Skug, fm5 und viele andere an die Öffentlichkeit, um ihre Anliegen zu präsentieren.
Geprägt ist die freie Medienszene von ehrenamtlichen Engagement bis hin zur Selbstaufgabe. Medienförderung gibt es wenig bis gar keine. "Österreichs freie Medien sind unabhängig, gesellschaftlich relevant, arbeiten höchst professionell
und vor allem politisch unabhängig", so der Präsident des Österreichischen Medienverbandes, Martin Aschauer.

Tag der Freien Medien
Fluc (Wanne), Praterstern 5, 1020 Wien
9.12.2008, ab 15:00

16:00 Uhr: Eröffnung der Veranstaltung durch Martin Aschauer. Im Anschluss: Medienforum/Medienmesse: Medienvielfalt erleben. Infostände der Freien Medien Wiens. Time to Network.

18:00 Uhr: Freie Medien on stage: Ausgewählte Medien präsentieren ihre Arbeit und ihre Schwerpunkte am Podium. (ca. 10 Minuten pro Medium inkl. Q & A)

19:30 Uhr: Podiumsdiskussion zur Schieflage Freier Medien in Österreich - Aufgabe und Stellenwert der Freien Medien in Wien. Moderation: Karin Resetarits

21:30 Uhr: Konzert für Freie Medien
Petsch Moser unplugged, weitere Bands angefragt
DJ Line up- hosted by Resident:
Makeedo (funk), Se.Vero (dubstep), Intoxicated (breaks), fry (drum 'n' bass)

Eintritt: Freie Spende

Sonntag, November 30, 2008

This Human World - Filmfest


Am Dienstag, den 2.12. eröffnet This Human World, das erste internationale Filmfestival für Menschenrechte in Österreich. Als Eröffnungsfilm läuft um 19.30h im Filmcasino der tschechische Film Občan Havel (Der Bürger Havel) von Pavel Koutecky und Miroslav Janek.
Im Anschluss diskutieren am Podium:
Igor Blaževič (Leiter des One World Festivals, Prag),
Manfred Nowak (Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für Menschenrechte),
Jiří Gruša (Direktor der Diplomatischen Akademie),
Martin Krafl (ehemaliger Pressesprecher von Václav Havel)
und der Filmemacher Miroslav Janek.

Im weiteren Verlauf bietet das Festival bis zum 10.12. einen Querschnitt preisgekrönter bzw. aktueller Menschenrechts-Filme der internationalen Festivalszene sowie österreichischer Filme zum Thema. Die Filme werden im Schikaneder, Topkino und im Filmcasino präsentiert.

Mittwoch, November 19, 2008

Domino-Effekt (wörtlich und bildlich)

Zur Abwechslung wieder mal eine schöne Geschichte aus der Welt der Werbung.
Guiness hat Meisterschaft im Domino-Effekt entwickelt. Guinnes Tipping war eine interaktive Kampagne, die Furore machte und weite Kreise zog. Auch wenn die Kampagne nun schon gut abgelagert ist (wie ein gutes Guinness) möchte ich sie doch hier herzeigen. Die Kampagnenbeschreibung beim Link oben, hier der dazugehörige Spot:



Der Dominoeffekt ging jedoch noch weiter, denn inzwischen hat die Kampagne Nachahmer gefunden. Der Schmäh funktioniert auch für Pot Noodles:



Böser Ideen-Diebstahl? Nun ja: Ganz neu war ja auch die Idee bei Guinness nicht, denn man erinnert sich noch gut an den Spot von Honda, der 2004 bei internationalen Werbefestivals einen Preis nach dem anderen abgeräumt hat.



Zum Abschluss noch eine Parodie des Honda-Spots, für 118 118:



Dominoeffekte also wohin man blickt. Geschadet hat es wohl letztlich niemandem.

Zukunft der Weltwirtschaft


Mit dem Zusammenbruch der Finanzmärkte schlittert auch die Realwirtschaft in die Krise. Kann man die angeblich schuldigen Investmentbanker alleine verantwortlich machen, oder sind wir alle die "Mittäter" eines außer Kontrolle geratenen Systems? Gehen wir nach kurzer Panik wieder zur Tagesordnung über, oder besteht die Chance, eine neue Weltfinanzordnung zu entwickeln? Kann und wird die Politik die Märkte zügeln, oder wird aus dem Ende mit Schrecken ein Schrecken ohne Ende?
Am kommenden Freitag veranstaltet die Grüne Wirtschaft einen Gesprächsabend, zu dem wir sehr herzlich einladen:


"Game over! – Die Zukunft der Weltwirtschaft nach dem Crash"

Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, im Gespräch mit:

Dr. Kurt Bayer
Board Director der European Bank for Reconstruction and Development, London
(Ehem. Exekutivdirektor der Weltbank, Washington)

Dr. Rudolf Scholten
Mitglied des Vorstandes der Oesterreichischen Kontrollbank AG, Wien
(Ehem. Bundesminister für Unterricht, Wissenschaft und Kunst)


Zeit: Freitag, 21. November 2008, 19.30 Uhr
(Get together ab 18.00 Uhr, nach der Veranstaltung: Buffet und Getränke)

Ort: NH, Danube City Hotel, Wagramer Straße 21, 1220 Wien
(Neben U1-Station "Kaisermühlen – Vienna International Center")

Anmeldung unter: office@gruenewirtschaft.at

Bobos

Die Präsentation des Buches Boboville von Andrea Dusl in der meiner Lieblingsbuchhandlung bei Anna Jeller habe ich leider verpasst, die Lektüre muss ich nun rasch nachholen. (Anna, du kannst das gleich als Bestellung nehmen.)
Jetzt bin ich auf eben auf ein dazu passendes Musikvideo gestoßen. Das will ich den BesucherInnen meines Blogs nicht vorenthalten. Dazu passend auch noch King Negrito auf "Voice of a City - Paris".

Mittwoch, November 12, 2008

Ithuba

Christoph Chorherr ist einer jener Politiker, die sich nicht nur mit Worten, sondern konkreten Taten engagieren. Eines seiner vielen Projekte ist das Ithuba Skills College in Südafrika. Gemeinsam mit StudentInnen aus Österreich und Deutschland hat CC eine Schule errichtet. Nun hab ich auf seinem Blog einen Videobericht über das Projekt gefunden. Sieben Minuten die zeigen, wie viel Sinn es macht, sich zu engagieren.

Dienstag, November 11, 2008

Arbeitslose UnternehmerInnen


Ab 1.1.2009 tritt ein neues Modell für Arbeitslosenversicherung für Selbständige in Kraft. Damit wird eine langjährige Forderung der Grünen Wirtschaft teilweise erfüllt - wenn auch unzureichend und ohne die Probleme zu lösen.
In einer Einladung der Bezirksstelle Wien-Floridsdorf der Wirtschaftskammer Wien zeigt sich nun unfreiwillig die halbherzige Einstellung der Wirtschaftskammer zu diesem Thema: Einerseits sieht man schön langsam ein, dass auch Scheitern und Mißerfolg zum UnternehmerInnen-Dasein gehören und unter den eigenen Mitgliedern Arbeitslosigkeit sehr wohl ein Thema ist. Man hat erkannt, dass man was tun muss. Aber eine selbstverständlich-entspannte Haltung wurde noch nicht entwickelt.
Ich überlege, wie ich das Bild interpretieren soll:
Ist da jemand dargestellt, der sich anpirscht und nach Geld greift, das ihm eigentlich nicht zusteht? Oder ist die arme Person schon so schwach (nach langer Zeit ohne Einkommen), dass sie nicht mehr stehen und zum rettenden Geld nur noch kriechen kann?
So oder so - die paar Cent, die auf dem Tisch liegen, werden ohnehin niemandem helfen.

Filmtipp: In die Welt


Heute in einer Woche hat In die Welt Premiere im Wiener Filmcasino. Der Dokumentarfilm zum Thema Geburt von Constantin Wulff lief bereits erfolgreich bei der VIENNALE und erhielt nun bei der Duisburger Filmwoche den 3Sat-Dokumentarfilmpreis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm 2008.

IN DIE WELT ist das bewegende Portrait einer Geburtsklinik in Wien. Gedreht in der Semmelweis-Klinik gibt der Dokumentarfilm einen faszinierenden Einblick in das Drama, den Schmerz und die Schönheit des In-die-Welt-Kommens.
In ihrer ganzen Intensität und Unterschiedlichkeit wird das alltägliche Wunder der Geburt mit den Mitteln des Direct Cinema gezeigt und verbunden mit dem Zyklus der begleitenden Abläufe im Krankenhaus. Eine Chronik vom Beginn des Lebens – und dessen Organisation.
IN DIE WELT ist ab 21.11.08 österreichweit in folgenden Kinos zu sehen:
Wien: Filmcasino und Village Cinemas 3, in Graz: KIZ, in St.Pölten: Cinema Paradiso sowie in Linz: Moviemento.
Ab 28.11.08 auch in Klagenfurt: Volkskino
Ab 29.11.08 in Innsbruck: Leokino
Ab 5.12.08 in Salzburg: Das Kino

Freitag, Oktober 31, 2008

Rapper

Just cool. :-)

Client: Holiday Inn Express
Title: Rapper
Agency: Fallon, Minneapolis
Production Company: Go Films, New York
Director: Simon McQuoid

Sarah Palin

Dirty Campaigning ist ja nicht meine Sache, aber als ich eben über dieses Video "stolperte", konnte ich es beinahe nicht glauben.

Agency: Goodby Silverstein & Partners, San Francisco
Creative Director: Jamie Barrett
Copywriters: Sarah Palin, Jamie Barrett, Craig Mangan, Rafi Kugler,
Producer/Editor of news footage: Timothy Plain
Production Company: Biscuit Filmworks USA, Los Angeles
Director: Clay Weiner

Donnerstag, Oktober 30, 2008

Girona

Mal was völlig anderes. Im Kurzurlaub in Spanien war ich eher zufällig auch in Girona und netter Weise grad rechtzeitig zu den Fires de Sant Narcís.

Die Correfocs muss man erlebt haben. Zwei Stunden ziehen unendlich viele Menschen durch die dunklen engen Gassen (die Beleuchtung wird ausgeschalten) während ihnen von allen möglichen Seiten Feuerwerke - montiert auf einer Art Knallfrosch-Rad - um die Ohren sausen. In Österreich wäre das wahrscheinlich verboten, in Catalunya ist es eine Tradition und macht richtig Spaß. Am Ende gibt es ein großes Abschlusskonzert mit extra Feuershow und Feuerwerk, wobei die unglaublichsten feuerspeienden Konstruktionen zum Einsatz kommen. Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei, daher nur ein Handy-Foto.




Dieses Video hab ich dazu gefunden, wobei "miguelausa" mit seiner Camera etwas weit weg vom Geschehen war, im letzten Jahr. Man muss schon etwas näher ran, wenn man richtig Spaß haben will.






Am nächsten Tag die nächste Tradition, ein Wettbewerb verschiedener Gruppen aus unterschiedlichen Teilen Catalunyas, wer das schönste Castell, den schönsten, höchsten elegantesten menschlichen Turm zustande bringt. Dabei kommte es nicht nur auf Form und Höhe an, sondern es geht auch darum, die Castells geordnet wieder abzubauen, bevor einem/r TeilnehmerIn die Kraft ausgeht und der Turm stürzt. Nicht ungefährlich, aber sehr beeindruckend.
Mehr dazu hier (in Catalan, dafür mit Videos): Bloc Pell Castellera.

PS: Weil ich gefragt wurde: Die Leute stehen nicht auf einer Bühne, die unterste sichtbare Gruppe von Menschen steht bereits auf den Schultern von noch mehr Leuten eine Ebene darunter.

Mittwoch, Oktober 22, 2008

Kultur. Plakat und CEE

Oktober heißt Hektik und Stress, mein Blog kommt wieder mal zu kurz. Zwei Updates in aller Kürze dennoch, sie liegen mir am Herzen.

1. Montag, Pressekonferenz mit der IG Kultur und dem Verein Freies Plakat. Thema war der seit bald einem Jahr andauernde Plakatstreit in Wien. Die zentrale Forderung lautet auf ein adäquates Angebot an kleine(re) Kulturinitiativen, um ihre Produktionen im öffentlichen Raum ankündigen zu können und - das ist mir besonders wichtig - faire, transparente Marktbedingungen für Ankündigungsunternehmen in Wien. Hier haben wir es mit einem Hegemonieanspruch der marktbeherrschenden Gewista zu tun und einem System, das allen anderen Marktteilnehmern den Zugang zum Markt erschwert bis nahezu unmöglich macht. Besonderer Skandal: Während die einen - ehemaligen - Wildplakatierer mit der Firma Kultur:Plakat unter tatkräftiger Hilfe der Stadt Wien und der Gewista eine Monopolstellung erhielten, werden andere im Doppelpass von Gewista und Stadt kriminalisiert. Wir fordern daher, dass die Anzeige der Stadt Wien gegen den Unternehmer Peter Fuchs sofort zurück genommen wird und statt dessen endlich die seit beinahe einem Jahr verweigerten Gespräch für eine faire Lösung für den Wiener Markt für die Ankündigung von Kulturveranstaltungen aufgenommen werden. Erste Reaktionen darauf lassen aber vermuten, dass die Stadt Wien weiter auf stur schalten wird, man ist nach wie vor nicht bereit, sich mit den betroffenen Unternehmen und Kulturinitiativen an einen Tisch zu setzen.
Eine detaillierte Dokumentation dieser Geschichte kommunaler Ignoranz findet sich auf der Website des Vereins Freies Plakat.

2. Morgen, Donnerstag: Euroforum Communication mit Berichten über die Kommunikationsmärkte in Bulgarien, Rumänien und Moldawien. Die Vernetzung österreichischer Werbefirmen mit Partnern in CEE-Ländern ist mir seit Jahren ein Anliegen. Es ist mir gelungen, mit dem Fachverband Werbung und Marktkommunikation als erste Dienstleistungsbranche kontinuierliche Aktivitäten im Rahmen der go-international-Initiative von WKO und Wirtschaftsministerium zu setzen. Gemeinsam mit der AWO, der Außenwirtschaftsorganisation der WKO dokumentiert der Fachverband einen CEE-Werbemarkt nach dem anderen. Die Initiative war nicht ganz einfach durchzusetzen, hatte doch der Fachverbandsausschuss zu Beginn kein Einsehen in die Notwendigkeit solch einer Initiative. Ich bin jedoch fest überzeugt, dass nur eine europäische Perspektive den Standort Österreich nachhaltig absichern kann. Das geschieht aber nicht durch schöne Sonntagsreden zu Feiertagen, sondern durch konkrete Projekte im Rahmen einer nachhaltigen Strategie. Deshalb runden wir die Informationsangebote in Zusammenarbeit mit der Wiener Fachgruppe durch konkrete Veranstaltungen ab, in deren Rahmen interessierte Firmen aus Österreich mit potentiellen Partnern aus den Ländern Zentral- und Osteuropas ins Gespräch und ins Geschäft kommen können. Die Veranstaltung morgen ist ausgebucht, ein schöner Beleg für die Nachfrage nach solchen Aktivitäten. Und eine Bestätigung dafür, dass man der xenophoben Stimmung, die Österreich leider viel zu sehr prägt, mit ganz konkreten Beiträgen auch positive Ansaätze verfolgen und zum Erfolg führen kann.

Montag, Oktober 13, 2008

Golden Drum

Nun - bevor ich weitermache, Stück für Stück einzelne Spots und Eindrücke aus Portoroz zu verarbeiten, endlich auch ein kurzes zusammenfassendes Statement.
2008 präsentierte sich das Festival im Vergleich zum Vorjahr etwas weniger aufwändig organisiert. Die Qualität der Beiträge war unverändert hoch, bei den Präsentationen im Rahmen des begleitenden Kongresses setzten die Veranstalter diesmal jedoch verstärkt auf Agentur- bzw. Network-Präsentationen, weniger auf Network-übergreifende Panels. Dennoch gab es viele interessante Vorträge zu hören und gute Werbung zu sehen. Österreichische Beiträge schnitten auch heuer wieder sehr gut ab. Unter den Top 5 Agenturen landeten gleich zwei Agenturen aus Österreich, Demner, Melicek, Bergmann an vierter, Lowe GGK an fünfter Stelle. Was mich besonders freut: Die Agentur Sery aus Linz (Angelika Sery ist Obfrau der Fachgruppe Werbung OÖ und Mitglied im Fachverbandsausschuss) gewann mit dem Sujet "Permanent Marker" eine Golden Drum in der Kategorie OpenAd Big Idea Competition.
Weniger erfreulich das eher verhaltene Interesse aus Österreich, was den Festivalbesuch und - vor allem - die Presse betrifft. Gerade ein einziger Journalist aus Österreich hatte sich nach Portoroz "verirrt", die gesamte österreichische Fachpresse glänzte beim größten Werbefestival für die CEE-Region und damit einem der wichtigsten Werbeevents für Österreich durch Abwesenheit. Auch viele österreichische Preisträger ließen sich die Preise von anderen (mehr oder minder zufällig anwesenden) Festivalbesuchern nach Österreich mitbringen. Dass es aber prämierte Agenturen nicht Wert finden, bei der Gala zu erscheinen und ihre Auszeichnung selbst abzuholen, hat für viel Kopfschütteln gesorgt. Die Abwesenheit der österreichischen Fachpresse (aus anderen Ländern kamen ganze Delegationen angereist) wurde ebenfalls mit Verwunderung registriert. Kein anderes Land (es kamen Teilnehmer aus 38 Ländern) hat dem Festival so die kalte Schulter gezeigt.
Jene Österreicher hingegen, die ich vor Ort traf, freuten sich über die Möglichkeit, gute Kontakte zu knüpfen. Kontakte, die sich bei jenen Firmen, die schon öfters da waren, durchaus in wachsendem wirtschaftlichen Erfolg in den dynamischen Märkten der EU-Beitrittsländer niederschlägt.

Wer Versäumtes nun nachholen will: Alle Preisträger des Festivals sind hier nachzulesen und zu sehen.

Fast Driver

Draft FCB Kobza holte in Portoroz eine Silver Drum für den Spot Fast Driver im Auftrag des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Wenige Stunden später erhielt das Thema durch den tödlichen Unfall Jörg Haiders unheimliche Aktualität. Ich habe seither lange überlegt, ob ich diesen Zusammenhang überhaupt posten soll. Es gibt sicher wesentlich wichtigere Dinge, die nun abzuhandeln sind. Und ich hoffe, es wird mir auch von niemandem als Pietätlosigkeit ausgelegt, so ist es nämlich sicher nicht gemeint. Aber - neben all den anderen Dingen - der Spot, der mir davor schon unter die Haut ging, fällt mir seither ständig ein.

Sonntag, Oktober 12, 2008

Wind, useful

Der TV-Spot des deutschen Windenergie-Unternehmens Epuron konnte zwar am Wettbewerb in Portoroz nicht teilnehmen, der Film der Hamburger Agentur Nordpol fand aber dennoch sein Publikum. Durch zahlreiche Preise (Gold in Cannes, beim ADC, in New York und Montreux) ausgezeichnet, präsentierte ihn Donald Gunn in seiner Präsentation als einen Beitrag "we will not forget from 2008". Und Julian Boulding präsentierte Nordpol als eine der besten Agenturen in seinem Network unabhängiger Agenturen, thenetworkone.
Ich suche ihn hier jedoch auch und vor allem deswegen aus, weil er sich dem Thema Windenergie von völlig anderer, überraschender Seite nähert, sein Publikum berührt und einer sonst sperrigen, mit vielen Zahlen und Öko-Argumenten präsentierten Sache eine emotionale Dimension verleiht. Werbung, wie sie sein soll.